„Man bekommt viel zurück“

Wetter / 21.01.2020 • 18:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Peter Lissy betreut die neue Hospiz-Trauergruppe. caritas
Peter Lissy betreut die neue Hospiz-Trauergruppe. caritas

Peter Lissy engagiert sich ehrenamtlich bei Hospiz Vorarlberg.

feldkirch Peter Lissy kann auf ein vielfältiges Berufsleben zurückblicken. Der Psychologe und Psychotherapeut war vor seiner Pensionierung 2017 27 Jahre lang beim IfS tätig, davor arbeitete er im Krankenhaus Maria Ebene und auch als Forscher am Max-Planck-Institut. Aber auch in seiner Pension ist das Interesse am und für die Menschen nicht verloren gegangen. Nach einem Jahr Auszeit („ich wollte einen klaren Schnitt zwischen Arbeit und Pension“) hat er deshalb die Ausbildung als Hospizbegleiter gemacht und seither engagiert sich der Feldkircher als ehrenamtlicher Hospizbegleiter.

„Für die Hospiz habe ich mich schon in meinem Berufsleben interessiert“, erzählt Lissy im Gespräch, das Engagement hat sich also abgezeichnet. Die Aufgaben als Hospiz-Begleiter sind vielseitig. Der bald 70-Jährige besucht beispielsweise regelmäßig das Feldkircher Haus Schillerstraße, um dort für die Bewohner da zu sein. Dazu kommen auch Bereitschaftsdienste. Bei denen ist er oft im Krankenhaus und begleitet dort Patienten, die wenig Besuch haben, verwirrt sind oder auch sonst einfach jemanden brauchen, der bei ihnen ist. Ähnliches gilt für die Hausbesuche, bei denen immer wieder die 24-Stunden-Pfleger für zwei Stunden entlastet werden. „Dabei geht es oft einfach um das Dasein“, erklärt Lissy. Während man als Psychologe und Therapeut viel mit dem Wort arbeitet, sei das gerade bei sehr alten, verwirrten oder auch dementen Menschen nicht mehr so wichtig.

Wer an Hospiz denkt, denkt meistens an die Begleitung Sterbender. „Beim richtigen Sterben, beim Sterbeprozeß war ich aber noch nie dabei“, erklärt der Feldkircher. Sehr wohl allerdings im Vorfeld. „Bei der Hospiz und bei der Trauerbegleitung geht es aber um viel mehr.“

Neue Trauergruppe

Das gilt auch ganz besonders für ein neues Gruppenangebot von Hospiz Vorarlberg. Dabei werden sich trauernde Menschen zehn Nachmittage lang gemeinsam mit ihrem persönlichen Verlust oder Trauerfall auseinandersetzen. Lissy leitet gemeinsam mit Karin Weber uind Luise Hotz diese Treffen. „Ich möchte hier den Menschen viel Raum einräumen, es braucht aber auch eine gewisse Mindestbegleitung“, erklärt er: „Niemand wird in der Situation sich selbst überlassen werden.“ Das Angebot startet diesen Sonntag, 26. Jänner, und wird im Zwei-Wochen-Rythmus stattfinden. „Es gibt noch Plätze“, macht Lissy Trauernden Mut, sich in den nächsten Tagen noch anzumelden.

Einige seiner Hobbys, etwa das Lesen oder die Musik, bringt er auch in die Tätigkeit ein. So singt er gerne mit den Menschen die er betreut. Neben der Tätigkeit bei der Hospiz ist Lissy zudem alle zwei Wochen für die Caritas im Altersheim in Nofels, wo er eine Lesegruppe leitet und Heimbewohnern Geschichten vorliest.

Spirituelle Erfüllung

Die Beschäftigung mit der Trauer seitens der Hospizbegleiter wird von Hospiz Vorarlberg begleitet. So gibt es Supervision und regelmäßige Treffen der Begleiter. „Man darf sich die Schicksale nicht zu nahe gehen lassen“, erklärt der Feldkircher. „Man muss die notwendige Nähe mit der notwendigen Distanz in Einklang bringen“. Für Lissy ist es jedenfalls sehr erfüllend. „Ich fühle mich wohl, es ist das was ich machen will“, erzählt er. „Ich kriege da auch selber sehr viel zurück.“

Die Beschäftigung mit dem Ende des Lebens ist für den gläubigen Menschen auch vor allem spirituell erfüllend, betont der Hospizbegleiter. VN-GMS 

Zur Person

Peter Lissy
Der pensionierte Feldkircher ist ehrenamtlicher Hospizbegleiter und leitet die neue Hospiz-Trauergruppe.

Geboren 16. Februar 1950

Tätigkeiten Psychotherapeut und Psychologe

Familie verheiratet, drei erwachsene Kinder

Hobbys Lesen, Geige spielen, Wandern, Klettern, Radfahren

Info und Kontakt: Hospiz

Vorarlberg, T. 05522 200 1100,

hospiz.trauer@caritas.at

www.hospiz-vorarlberg.at