Alles ist ein Prozess

Wetter / 22.01.2020 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Caldonazzi ist es wichtig, in kleinen Schritten ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. bi
Caldonazzi ist es wichtig, in kleinen Schritten ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. bi

Martin Caldonazzi kuratiert Sonderausstellung im Biosphärenpark.

Frastanz, Amerlügen Licht spielt eine entscheidende Rolle in Martin Caldonazzis Leben –  sowohl als Grafiker als auch als Künstler und Gestalter. „Licht ist ein Geschenk, durch die Lichtbrechung entstehen Farben, wodurch magische Elemente entstehen können“, erklärt er. Auch sein Wohnhaus in Amerlügen, das er gemeinsam mit seinem Bruder Richard Caldonazzi konzipiert hatte, spiegelt dieses Motto, es ist lichtdurchflutet, wirkt sehr harmonisch und verfügt über eine zeitlose Ästhetik.

Andere Perspektive

Schon als Kind hatte Martin Caldonazzi eine eigene Art, Dinge zu entdecken und für sich neue Sichtweisen zu entwickeln. „Ich war schon als Kind irgendwie anders, heutzutage hätte ich sicher Ritalin bekommen. Glücklicherweise haben meine Eltern den mir eigenen Zugang zur Welt gefördert, indem sie mich unterstützt haben, Künstler zu werden und meine Ideen umzusetzen“, erinnert er sich. Nach dem Studium an der HTBLV in Wien bei Clemens Sattler vertiefte er seine Kenntnisse als Grafiker im Rahmen eines Stipendiums am Instituto Europeo di Design in Mailand, seit 1987 ist er nunmehr in seinem eigenen Atelier tätig.

Sein Grundmotto „Denken – Fühlen – Handeln“ durchzieht alle seine Arbeitsbereiche: „Zwischen diesen drei Begriffen besteht eine Wechselwirkung. So wie in der Kunst ist es auch beim Kochen: Es sind meditative Prozesse, das Ergebnis ist eine Konzentriertheit in höchster Form. Je konzentrierter und fokussierter ich bin, desto besser wird meine Arbeit.

Auch Zen und Malerei hängen zusammen, die Perfektion des Strichs erfolgt genau in diesem einzigen, unverwechselbaren Moment.“ Es gehe darum, Freiräume zu schaffen und ein Gefühl zu entwickeln, wie etwas wirke. „Bei uns werden Entwürfe gemacht, damit man weiß, was man nicht will. Es ist alles ein Prozess. Erst durch die Visualisierung eines Entwurfs wird die Idee konkret“, erläutert er seine Arbeitsweise. Er skizziere seine Entwürfe immer noch gerne von Hand – auch dies ist für ihn ein meditativer Vorgang. Im Umgang mit Interessenten sei die Kommunikation von entscheidender Bedeutung. „Um es mit einem Zitat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick auszudrücken: ‚Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung‘. Wenn die Kommunikation gelingt, entsteht ein geschärfter Blick, ohne Scheuklappen. Und nur dann kann eine Arbeit gut gelingen“, ist Caldonazzi überzeugt.

Kommunikation umfasse den gesamten Menschen und drücke sich in dessen Denken, Fühlen und Handeln aus. Diese Komplexität biete zugleich eine Herausforderung, sei aber auch das erstrebte Ziel in der Vielgestaltung der Umsetzung seiner Gestaltungskonzepte.

20 Jahre Biosphärenpark

Der Biosphärenpark Großes Walsertal, einer seiner Partner, feiert heuer das 20-jährige Jubiläum. Caldonazzi ist seit den Anfängen mit dabei. So hat er als Fachmann für das Büro für Zukunftsfragen den Logo-Wettbewerb betreut: „Wir hatten damals schon das Prinzip der Partizipation umgesetzt, indem wir die Bevölkerung aus dem Großen Walsertal zur Beteiligung eingeladen hatten. Ich habe dann auch die ganze Grafik wie beispielsweise Prospekte und Beschilderungskonzepte für das ganze Tal entworfen. Sehr gefreut hat mich auch, dass ich den Wettbewerb für die Ausschreibung für das Biosphärenpark-Haus in Sonntag gewonnen habe. Dass ich aktuell zum heurigen Jubiläum die bestehende Ausstellung um neue Aspekte ergänzen darf, das freut mich ebenfalls.“ Sein gesamtheitliches Denken unter der Berücksichtigung von ökologischer Nachhaltigkeit bietet hierbei ebenfalls eine gelungene Wechselwirkung im Sinne der Philosophie des Biosphärenparks. BI

Zur Person

Martin Caldonazzi

Kurator Sonderausstellung 20 Jahre Biosphärenpark.

Geboren 16. Juni 1964

Familie verheiratet mit Elisabeth, eine Tochter, ein Enkel

Hobbys Gesellschaftspolitik, Philosophie, Malen, Kunst, Kochen