Musik für alle

Wetter / 26.01.2020 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Felizeter (l.) und Schwendinger erhielten ihren Preis auf dem Ball der Vorarlberger am Wochenende in Wien. Dragan Tatic
Felizeter (l.) und Schwendinger erhielten ihren Preis auf dem Ball der Vorarlberger am Wochenende in Wien. Dragan Tatic

Auszeichnung des Landes für die Gründer von „Open Piano for Refugees“.

bregenz, wien Jeder darf einmal am Flügel spielen. Jeder kann stehen bleiben und zuhören. Und wer will, spendet. Das ist das Konzept des Sozialprojekts „Open Piano for Refugees“ der beiden Vorarlberger Udo Felizeter (29) und Nico Schwendinger (32). Die Instrumente werden im öffentlichen Raum frei zugänglich aufgestellt, sei es in Wien, Graz, Bonn oder Bregenz. Ziel ist es, Menschen aller gesellschaftlichen Schichten zusammenzubringen und den gegenseitigen Austausch zu fördern. Für diesen Verdienst hat das Land die beiden Gründer nun mit dem Titel „Vorarlberger des Jahres z’Wian“ gewürdigt. „Der Preis bedeutet für uns eine große Wertschätzung“, sagt Felizeter.

Große Erfolgsgeschichte

In der Begründung der Jury heißt es: „Die Besonderheit der Initiative liegt im integrativen, erfrischenden und wirtschaftlich tragbaren Gesamtkonzept.“ „Open Piano for Refugees“ ist eine Erfolgsgeschichte. An rund 70 Standorten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Dänemark und Schweden wurden bereits Instrumente aufgestellt. Die gesammelten Spenden kommen dem sozialen Musikinstitut DoReMi in Wien zu Gute. Dort gilt das Modell einer Musikpatenschaft: Einkommensstarke und sozial benachteiligte Menschen oder Personen mit Migrationshintergrund werden paarweise unterrichtet. Jeder zahlt, so viel er kann. Der Andrang ist groß. Aktuell nehmen 170 Schüler Musikunterricht. 110 haben einen Fluchthintergrund oder gelten als sozial benachteiligt.

Idee kam auf Fahrradtour

Die beiden Vorarlberger haben sich in einem Ferienlager kennengelernt. Dort waren sie als Betreuer für Kinder mit sozialen Herausforderungen tätig. Die Idee für „Open Piano for Refugees“ kam ihnen im Jahr 2015. Im Sommer ging es auf eine gemeinsame Fahrradtour durch die Ukraine, Polen und Weißrussland. An belebten Plätzen in Lemberg und Kiew entdeckten Felizeter und Schwendinger Klaviere, die jedem zugänglich waren. Die Idee begeisterte die beiden Freunde sofort. „Wir wollten dieses Konzept auch in Wien ausprobieren“, erzählt Felizeter. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, ein Klavier zehn Tage lang aufzustellen. Der Andrang war sofort groß. „Wir sind dann relativ schnell auf einen Flügel umgestiegen.“ Die Initiative zog immer weitere Kreise, gewann mehr und mehr Mitstreiter. 2018 gründeten Felizeter und Schwendinger DoReMi. Zukünftig soll es nicht nur auf Wien beschränkt bleiben. „Wir planen derzeit einen Ausbau in andere Städten“, verrät der 29-Jährige.

Amanda Palmer am Flügel

Befragt nach einem Schlüsselerlebnis mit „Open Piano for Refugees“ muss Felizeter nicht lange überlegen. Zwar gebe es viele eindrückliche Momente. Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Bregenzer aber der Auftritt der US-Musikerin Amanda Palmer am öffentlichen Flügel in Wien. Das war kurz vor ihrem eigentlichen Konzerttermin im September des Vorjahres. „Wir haben angefragt, und sie hat sofort zugesagt. Tausende Leute sahen zu.“ Palmers Ehemann Neil Gaiman, ein bekannter britischer Autor, teilte Postings von „Open Piano for Refugees“ in sozialen Netzwerken. Felizeter spricht von einer überwältigenden Erfahrung. „Das war schon sehr genial.“ VN-RAM

Zur Person

Nico Schwendinger

Geboren 7. August 1987

Ausbildung CEMS/MIM-Programm, Doppel-Masterstudium in International Management an der WU Wien

Wohnort Wien, ursprünglich Schwarzach

Hobbys Sport, basteln, lesen

 

Udo Felizeter

Geboren 29. März 1990

Ausbildung Master in Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU Wien

Wohnort Wien, ursprünglich aus Bregenz

Hobbys Sport, Klavier, Oud, Gitarre