Die Innenministerin

Wetter / 30.01.2020 • 18:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit 2004 ist Mariette Eisendle Mitglied der Bregenzer Faschingsgesellschaft. VN/Lerch
Seit 2004 ist Mariette Eisendle Mitglied der Bregenzer Faschingsgesellschaft. VN/Lerch

Mariette Eisendle (63) spielt beim Gildenball eine tragende Rolle.

Bregenz, Lauterach Bei der Bregenzer Faschingsgesellschaft (BFG) geht es ein bisschen zu, wie am königlichen oder kaiserlichen Hofe. Es gibt diverse Hofräte, Geheimräte und Höflinge, eine Hofschatzmeisterin und einen Hofdestillateur. Mariette Eisendle wurde 2013 zur Innenministerin bestellt. Ein Ehrentitel, der allerdings auch viele Verpflichtungen mit sich bringt.

Der Startschuss fiel in der Faschingssaison 2003/2004. „Mein Mann und ich waren im Gefolge von Faschingsprinz Engelbert Wiedl. Er hat uns gefragt, ob wir es uns vorstellen könnten zur BFG zu gehen“, erzählt die 63-jährige Lauteracherin. Mitglied werden kann nämlich nicht jeder. Die Statuten sehen vor, dass neue Mitglieder von einem Paten aus den Reihen des Vereins vorgeschlagen werden. Ab dem 11.11. arbeitet man ein Jahr lang als Höfling mit. Wenn es einem gefällt, steigt man zum Elferrat auf und darf fortan den rot-schwarzen Frack samt Gilet und Schal tragen. 

Gildenball

Kernaufgabe der Bregenzer Faschingsgesellschaft ist die Organisation des Gildenballes. Heute, Freitag ist es wieder soweit. Um 20.30 Uhr heißt es im Bregenzer Festspielhaus zum 51. Mal „Alles Walzer“.

In ihrem beruflichen Leben war Mariette Eisendle 14 Jahre als Kindergartenassistentin im Kindergarten Braike in Bregenz tätig. „Das war meine große Leidenschaft. Meine Bewerbung ist jahrelang bei der Stadt gelegen, irgendwann habe ich endlich die Chance bekommen. Ich liebe Kinder über alles“, gerät die Lauteracherin ins Schwärmen. Entsprechend schwierig gestaltete sich der Pensionsantritt. Auf den letzten Arbeitstag folgte sozusagen der große Schock. „Das war schrecklich. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen und habe zwei Jahre gebraucht, um das zu verarbeiten.“ Halt gab der zweifachen Mutter und Großmutter in dieser schwierigen Zeit ihre Familie, die sie ebenso wie Basteln, Ausgehen und Freundschaften pflegen zu ihren Hobbys zählt. „Die Familie ist meine große Liebe“, unterstreicht sie. 

Das ganze Jahr

Auch mit der Faschingsgesellschaft hat die 63-Jährige das ganze Jahr über zu tun. Sie plant Veranstaltungen, kümmert sich um den monatlichen Stammtisch, unterstützt ihren Mann Harald bei der Organisation der Gildenball-Tombola, sammelt Tombolapreise, die Damenspende und die Loszugaben, sucht Werbeträger für das Ballheft und begleitet die Tombolagewinner zu den Events. Der Ball selbst startet für Mariette Eisendle bereits am Donnerstag mit der Generalprobe. Am Freitag folgen der Aufbau der Tombola, der obligatorische Friseurbesuch und um 18 Uhr die letzte Besprechung. Nach dem Einlass hat die Hofrätin und Innenministerin „eigentlich den ganzen Abend zu tun. Aber heuer gehe ich in die Bar. Ich war noch nie in der Bar“, verspricht sie. VN-ger

Zur Person

Mariette Eisendle

ist Hofrätin und Innenministerin der Bregenzer Faschingsgesellschaft.

Geboren 20. August 1956

Wohnort Lauterach

Familie verheiratet, zwei Kinder (eine Tochter, ein Sohn), zwei Enkel

Ausbildung kaufmännische Lehre

Hobbys Familie, Basteln, Ausgehen, Freundschaften pflegen

Lebensmotto „Auch aus Steinen, die auf deinem Weg liegen, kannst du etwas Großartiges bauen.“