Besondere Berufe lehren

Wetter / 20.04.2021 • 18:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schuldirektor Christoph Schindegger zieht Halbjahresbilanz. HRJ
Schuldirektor Christoph Schindegger zieht Halbjahresbilanz. HRJ

Seit Herbst führt Christoph Schindegger die Kathi-Lampert-Schule.

GÖTZIS Als Christoph Schindegger am 1. Oktober 2020 die Leitung der Kathi-Lampert-Schule übernahm, ahnte er nicht, welche Herausforderung auf ihn zukommen wird. Corona hatte sich nämlich zu jenem Zeitpunkt nicht, wie erhofft, geschlichen, sondern sich stärker verbreitet. Und vier Wochen später, am 2. November, begann der Lockdown II: „Von da an wurden der Unterricht und alle Besprechungen nur mehr online geführt.“ Es sei schwierig gewesen, in die neue Rolle hineinzufinden, „vor allem, wenn man die Studierenden und die Mitarbeiter nur am Bildschirm sieht“. Die Bilanz des 49-Jährigen: Das erste halbe Jahr als Direktor der Ausbildungsstätte für Sozialbetreuungsberufe in Götzis, mit Schwerpunkt Behindertenarbeit und Behindertenbegleitung, war Corona-bedingt „sehr anstrengend“. Mit dem Fachlichen der Kathi-Lampert-Schule war Schindegger längst vertraut. Er hatte bereits 22 Jahre lang mit seinem Vorgänger Gerhart Hofer zusammengearbeitet. Dabei wollte Schindegger ursprünglich Journalist werden.

Er ist als Sohn eines Wieners und einer Batschunserin in Wien aufgewachsen, hat dort Soziologie und Politikwissenschaften studiert und geheiratet. Nachdem seine Frau in Vorarlberg eine Stelle als Lehrerin bekam, zog das Ehepaar 1997 nach Batschuns, in das Haus von Schindeggers Mutter. „Mein erster Plan war, mich bei den VN zu bewerben“, erzählt er. Dann erfuhr er, dass für die Kathi-Lampert-Schule ein pädagogischer Mitarbeiter gesucht wurde, bewarb sich beim Schulträger, dem Werk der Frohbotschaft Batschuns, und wurde eingestellt. Schindegger organisierte unter anderem die Praktika und EU-Projekte und begann Soziologie und Politische Bildung zu unterrichten. Später übernahm er die Administration.

2019 übertrug ihm das Werk der Frohbotschaft die Leitung der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Bregenz. Doch ein Jahr später, als Gerhart Hofers Pensionierung anstand, wurde Schindegger dessen Nachfolge angeboten. Er nahm an und kehrte an die Kathi-Lampert-Schule zurück. Die einstige „Lehranstalt für Heilpädagogische Berufe“ wurde übrigens 2006 in Kathi-Lampert-Schule umbenannt. Kathi Lampert war im Zweiten Weltkrieg wegen einer Behinderung ein Euthanasieopfer geworden. Die an Epilepsie leidende Götznerin wurde am 10. Februar 1941 von der damaligen Gauanstalt Valduna nach Schloss Hartheim in Oberösterreich gebracht und dort umgebracht. Sie war 28 Jahre alt. „Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist ein wichtiger Teil unserer Bildungsarbeit“, betont Schindegger.

Beziehungsarbeit

Derzeit werden in der Kathi-Lampert-Schule rund 200 meist berufstätige Studierende von 43 Lehrpersonen in 14 Klassen ausgebildet. Die Pandemie belastet alle. „Auf Dauer sind Homeschooling und Homeoffice ermüdend“, erklärt Schindegger. Technisch funktioniere das zwar recht gut, „aber Menschen brauchen soziale Kontakte“. Insbesondere in diesen Berufen, die an der Kathi-Lampert-Schule gelehrt werden, wobei es vor allem um Beziehungsarbeit geht: „Unsere Studierenden lernen den Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Da ist distanziertes Arbeiten mit Einhalten der Corona-Maßnahmen schwierig.“ Ein Beispiel ist das Erlernen der Pflegetechnik: „Das geht nicht via Video.“ Darum ist Schindegger erleichtert, dass Präsenzunterricht wieder möglich ist, wenn auch eingeschränkt.

Sein Wohnort Batschuns ist prädestiniert für ein entspanntes Privatleben. „Und seit meine drei Töchter groß sind, habe ich mehr Zeit für meine Hobbys“, verrät Christoph Schindegger. Dazu zählen Lesen, Fußballspielen, Bergwandern. „Entspannend ist aber auch, einfach mal nichts tun.“ HRJ

Zur Person

Christoph Schindegger

ist Direktor der Kathi-Lampert-Schule für Sozialbetreuungsberufe in Götzis.

Geboren 30. Juli 1971

Wohnort Batschuns

Beruf Schulleiter

Familie verheiratet, drei Töchter, (21, 19, 17 Jahre)