Hannes Androsch

Kommentar

Hannes Androsch

Aufbruch wagen – Zukunft gestalten!

Wirtschaft / 25.12.2021 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das 21. Jahrhundert war bisher durch zahlreiche Krisen gekennzeichnet, deren vorläufiger Höhepunkt die COVID-19-Pandemie ist. Die vierte Welle hat uns unverantwortlich schlecht vorbereitet getroffen, eine fünfte muss wegen „Omikron“ bereits befürchtet werden, und aufgrund populistischer Verantwortungslosigkeit liegen wir bei der Impfquote von 20 europäischen Ländern nur auf Platz 17, haben gleichzeitig aber eine gespaltene Gesellschaft. Daraus ergeben sich gravierende gesundheitliche, wirtschaftliche, soziale und politische Folgen sowie verminderte Zukunftschancen wegen Bildungsverlust, weshalb wir die Pandemie endlich überwinden bzw. lernen müssen, mit ihr zu leben. Zudem müssen wir aber auch zahlreiche Rückständigkeiten überwinden, so beim Klimaschutz, der Energiewende oder der Digitalisierung, beim Ausbau des Strom- und Telekomnetzes, beim öffentlichen Verkehr, bei vorschulischer Betreuung und Ganztagsschulen sowie im Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsbereich, für dessen tatsächliche Bedeutung es vielfach immer noch an Bewusstsein und Wertschätzung fehlt. Wir haben zwar bis jetzt keine Energiewende, dafür aber wegen organisierter Planlosigkeit eine Energiepreisexplosion und die steigende Gefahr von Blackouts. Auch die „Steuerreform“ ist eine Mogelpackung, denn das Kuddelmuddel propagandistischer Steuermaßnahmen bringt keine Verbesserung des Systems, schon weil es zu keiner Reduktion der Lohnneben- bzw. Arbeitskosten kommt, aber auch nicht zu höheren Nettolöhnen wegen der entgegen anderslautenden Versprechungen weiter bestehenden kalten Progression. Ähnlich verhält es sich aus ökologischer Sicht wegen Pendlerpauschale, Dieselprivileg, Billigtreibstoff und Alibi-CO2-Bepreisung.

Wie diese Aufzählung zeigt, ist wegen jahrelangen Stillstands inzwischen ein riesiger Berg an Aufgaben entstanden.

Auch Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsmarktpolitik müssen neu ausgerichtet werden, wobei die Zukunft der Arbeit mittels Digitalisierung und Roboterisierung begleitet durch soziale Abfederung zu gestalten ist. Zudem gilt es, durch höhere Forschungsausgaben und verbesserte Risikokapitalfinanzierung einen Innovationsschub speziell im allgemeinen KI-Bereich herbeizuführen. Der demografischen Entwicklung „alternde Gesellschaft“ und ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (Personalnot) und das Gesundheits-, Pflege- und Pensionssystem muss durch sinnvolle Zuwanderungs- und Asylpolitik sowie der Finanzierungssicherung Rechnung getragen werden. Für diese Aufgaben sind die Mittel des EU-Aufbaufonds zu verwenden!

Wie diese Aufzählung zeigt, ist wegen jahrelangen Stillstands inzwischen ein riesiger Berg an Aufgaben entstanden. Entsprechend groß ist nun das Ausmaß an notwendiger Gestaltungskraft. Um unsere Nachzüglerrolle abzuschütteln und unsere Zukunft erfolgreich gestalten zu können, brauchen wir einen kräftigen Aufbruch. Es gilt gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Dr. Hannes Androsch ist Finanz­minister i. R. und Unternehmer.