Unbekannte Meereswelt

Wissen / 16.11.2012 • 19:08 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Viele Geschöpfe des Meeres sind den Menschen ja bekannt. Doch es gibt noch zahlreiche unbekannte Lebewesen im Meer. Foto: ap
Viele Geschöpfe des Meeres sind den Menschen ja bekannt. Doch es gibt noch zahlreiche unbekannte Lebewesen im Meer. Foto: ap

Ein Drittel der Meeresorganismen sind noch unbekannt. Das ist das Resultat einer Studie.

Wien. In den vergangenen zehn Jahren wurden rund 20.000 neue Meerestierarten entdeckt, mehr als in jedem Jahrzehnt zuvor. Dennoch ist mindestens ein Drittel der Meeresorganismen noch unbekannt. Dies zeigt eine Studie, die nun in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht wurde. Ein aus zahlreichen internationalen Experten zusammengesetztes Autorenteam, darunter Andreas Kroh vom Naturhistorischen Museum Wien, stellt in der Studie das erste umfassende Register aller marinen Arten der Welt vor, das „World Register of Marine Species“ (WoRMS).

Die Forscher schätzen, dass die Ozeane zwischen 700.000 und einer Million Arten beheimaten. Nur rund 226.000 davon sind bisher beschrieben, weitere 58.000 bis 72.000 Arten wurden bereits gesammelt, harren allerdings noch ihrer Bestimmung.

„Zum ersten Mal haben wir einen detaillierten Überblick über den Artenreichtum der Meere. Es ist der aktuelle Stand unseres Wissens über das Leben in den Ozeanen“, berichtet Ward Appeltans von der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO, der Leiter des Autorenteams der Studie, in einer Aussendung.

Kein Katalog

Frühere Schätzungen über die Artenvielfalt in den Ozeanen beruhten ausschließlich auf Vermutungen von Experten und der Entdeckungsrate vergangener Jahrzehnte und anderen Hochrechnungen. Da es bisher auch keinen weltweiten Katalog aller bereits beschriebenen Arten als Grundlage gab, waren die Ergebnisse solcher Abschätzungen sehr unterschiedlich.

270 Experten von 146 Ins-titutionen aus 32 Ländern, neben Kroh hat auch Sabine Agatha von der Universität Salzburg an dem Projekt mitgearbeitet, haben nun einen solchen Katalog aufgebaut. Das „World Register of Marine Species“ ist eine öffentlich und kostenlos zugängliche Datenbank, die rund 95 Prozent aller bekannten Meereslebewesen enthält und laufend erweitert werden soll, wenn neue Arten entdeckt werden.

Doppelt vergebene Namen

„Der Aufbau dieser Datenbank war weit schwieriger, als wir vermutet hatten, da es keinerlei Standards für die Registrierung von Arten gab“, so der Leiter des WoRMS-Projekts, Mark Costello von der University of Auckland (Neuseeland). Als größte Probleme stellten sich doppelt vergebene Namen für verschiedene Arten sowie die Tatsache heraus, dass andere Arten unter vielen unterschiedlichen Namen beschrieben wurden. Jeder Wal oder Delfin beispielsweise hat im Durchschnitt 14 verschiedene wissenschaftliche Namen. Rund 40.000 Arten mussten so von der Liste gestrichen werden. Dieser Verlust wurde allerdings durch das durch DNA-Analysen ermöglichte Aufzeigen wieder wettgemacht.

„Obwohl in den Ozeanen weniger Arten als an Land leben, stellen diese wesentlich ältere Evolutionslinien dar und sind entscheidend für das Verständnis der Entwicklung des Lebens auf der Erde“, so Appeltans.