Wenn Darmbakterien Suizid begehen

Wissen / 22.03.2013 • 20:27 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

ZÜRICH. (VN) Wer krank ist, sucht lieber den Tod, als seine Verwandten anzustecken. Solch selbstloses Verhalten haben Wissenschaftler schon bei sozialen Insekten wie Bienen oder Ameisen beobachtet. Unklar blieb bislang, ob es sich dabei um eine vorteilhafte Evolutionsstrategie handelt oder ob es andere Gründe dafür gab. Also testete das Forscherteam unter Leitung von Rolf Kümmerli von der Uni Zürich und vom Wasserforschungsinstitut Eawag das Konzept an einfachen Organismen. Sie infizierten Kolibakterien mit Viren, worauf die Bakterien mit einer drastischen Abwehrstrategie reagierten. Das Aktivieren einer molekularen Maschinerie führte zur Auflösung sowohl der Zellmembranen der Bakterien als auch der Viren. Den Forschern nach verhindere dadurch die Bakterie die Infektion ihrer Artgenossen mit dem Virus, was einen altruistischen Akt darstelle.

Anschließend manipulierten die Forscher den Verwandtschaftsgrad der Mikroben, um zu sehen, ob überwiegend Verwandte in den Genuss dieser „Aufopferung“ kommen. Dies war nicht der Fall, denn die Kosten des Selbstmords seien für die betroffenen Bakterien relativ gering, stellten die Forscher fest. Sie seien sowieso todgeweiht. Ihr Fazit: Offenbar ist altruistischer Suizid eine effiziente Form der Krankheitsabwehr und kann evolvieren. Jedenfalls sei das der Fall, wenn dieser nur den unausweichlichen Tod eines Organismus beschleunige. Denkbar sei, dass diese evolutionäre Strategie auch bei höheren Organismen entstehen könnte. Zum Beispiel, wenn Arbeiterinnen sozialer Insekten bei Krankheit das Volk verlassen, um zu sterben.