Wenn „I like“-Klicks aus dem Jenseits kommen

Wissen / 18.10.2013 • 12:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Virtuelles Weiterleben: Ein Großteil der Facebook-Profile Verstorbener bleibt im Netz.

SCHWARZACH. Ein „Freund“ ist tot. Trotzdem scheint sein Profil weiterhin auf und wird weiterhin als „Freund“ vorgeschlagen. Fast jeder kennt jemanden, der nicht mehr im Diesseits weilt, dessen Facebook-Profil jedoch Freundschaftsvorschläge und Geburtstagsgrüße verschickt und „I like“ klickt.

Unter dem Motto „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen“ wurde das soziale Netzwerk am 4. Februar 2004 von Dustin Moskovitz, Chris Hughes, Eduardo Saverin und Mark Zuckerberg gestartet und zählt heute weltweit mehr als eine Milliarde Mitglieder. Mehreren Statistiken zufolge zählt Facebook zu den fünf am häufigsten besuchten Websites der Welt.

Quicklebendige „Tote“

Die Anzahl der Facebook-Nutzer steigt rasant an. Und damit nimmt auch das Problem zu, wie mit den Daten der verstorbenen User umgegangen wird.

Der Facebook-Betreiber hat mittlerweile eine eigene Regelung getroffen. Wird ihm ein Nutzer als verstorben gemeldet, wird auf ausdrücklichen Wunsch von Angehörigen das Profil des Toten gelöscht. Allerdings muss die Familienzugehörigkeit rechtlich nachgewiesen werden. Denn es ist bereits öfter vorgekommen, dass Nutzer aus Spaß andere als tot erklären ließen. Eine seltsame Art von Humor – in der Tat. Dazu kommt, dass es für den quicklebendigen „Toten“ ziemlich kompliziert ist, seinen gelöschten Account wieder zu aktivieren.

Um die Möglichkeit zu haben, virtuell um den toten „Freund“ zu trauern, haben immer mehr User den Wunsch geäußert, dass Profile Dahingeschiedener online bleiben. Daraufhin beschloss der Facebook-Betreiber, solche Profile als „stillen Gedenkzustand“ im Netz zu lassen, die Aktivitäten jedoch zu sperren. Voraussetzung ist, dass keine Angehörigen die Schließung des Accounts beantragen.

Inzwischen hat sich die Gründung von Gedenkseiten und „Trauergruppen“, die an Verstorbene erinnern sollen, zu einem Kult entwickelt. Insbesondere, wenn es sich bei den Toten um prominente Personen handelt. Ein Beispiel ist die an einer Alkoholvergiftung ums Leben gekommene Amy Winehouse. Seit ihrem Tod am 23. Juli 2011 lebt die britische Sängerin virtuell weiter.

Online-Erbe regeln

Im Übrigen gibt es Angebote, seine Online-Verlassenschaften zu Lebzeiten zu regeln. Verschiedene europäische Unternehmen, wie Death Switch, Digitaler Nachlass und SecureSafe haben sich nicht nur auf die Verwaltung von Internet-Daten spezialisiert, sondern auch auf die Nachrichten-Übermittlung Verstorbener. Sie leiten deren letzte Worte samt Passwörtern, Bilder, Videos und anderen Dokumenten an die Angehörigen weiter.

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