Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Alfred Russel Wallace

Wissen / 24.10.2013 • 13:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Alfred Russel Wallace wuchs mit acht Geschwistern in einer englischen Mittelstandsfamilie auf. Sein Vater stammte aus Schottland und behauptete, ein Nachkomme des berühmten Freiheitskämpfers William Wallace zu sein. Schon in jungen Jahren musste der kleine Alfred zum Familieneinkommen beitragen, indem er mit seinem Bruder William als Landvermesser arbeitete. Später, nach dem Tod seines Bruders, übernahm er dessen Vermessungsbüro. Nach einer kurzen Zeit der Beschäftigungslosigkeit erhielt Wallace eine Anstellung als Zeichner und Kartograf in Leicester. In der Stadtbibliothek las er regelmäßig Bücher. Außerdem traf er dort den bekannten englischen Naturforscher Henry Walter Bates, der ihm das Sammeln von Insekten schmackhaft machte.

Die Reiseberichte von Alexander Humboldt und Charles Darwin hinterließen bei Wallace einen so tiefen Eindruck, dass er mit Bates nach Brasilien reiste, um dort Insekten zu sammeln. In Südamerika sammelte er nicht nur kleine Tiere, sondern kartografierte Flussläufe, erforschte die Flora und machte Aufzeichnungen über die Sprachen der Eingeborenen. 1852 reiste Wallace mit einer umfangreichen Sammlung an Tieren, Pflanzen und Kartenmaterial zurück nach England. Auf hoher See brannte das Schiff aus, Wallace konnte nur ein Tagebuch in das Rettungsboot mitnehmen.

Kurze Zeit lebte Wallace von dem Geld, das ihm die Versicherung ausbezahlte und von Reiseberichten, die er aus dem Gedächtnis heraus zu Papier gebracht hatte. 1854 reiste Wallace zum indonesischen Archipel. Er blieb dort acht Jahre lang und sammelte Zigtausende Pflanzen und Tiere, davon über 80.000 Käfer. Er entdeckte viele Arten, darunter auch den berühmten Wallace-Flugfrosch, dessen Schwimmhäute zu Schwebhäuten vergrößert sind.

Während der Reise entwickelte Wallace eine Theorie über die Entstehung neuer Arten durch natürliche Selektion. Er schickte die Zusammenfassung seiner Theorie an den damals schon bekannten Naturforscher Charles Darwin, der in aller Stille die gleiche Theorie entwickelt hatte. Da Wallace und Darwin ihre – im Prinzip identischen – Evolutionstheorien durch gründliche Naturbeobachtungen entwickelt hatten, unterschieden sie sich nur in wenigen Details.

Unsterblich wurde Alfred Russel Wallace durch die „Wallace-Linie“, eine Bezeichnung, die Darwins Freunde entwarfen. Es handelt sich um eine biologische Grenzlinie zwischen der Millionen Jahre isolierten australischen und der moderneren Tier- und Pflanzenwelt. Die Linie läuft quer durch den indonesischen Archipel.

Alfred Russel Wallace, der große englische Biologe, der immer im Schatten des berühmten Charles Darwin stand, starb vor 100 Jahren, am 7. November 1913.

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