17 Jahre länger leben

Wissen / 15.08.2014 • 17:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rauchen gilt als riskantester Lebenstilfaktor und kann die Lebenszeit um fast zehn Jahre verkürzen.
Rauchen gilt als riskantester Lebenstilfaktor und kann die Lebenszeit um fast zehn Jahre verkürzen.

Kein Alkohol, kein Tabak, wenig Fleisch – und die Lebenserwartung steigt.

heidelberg. (VN-hrj) Längst ist bekannt, dass der Konsum von Alkohol, Zigaretten, rotem Fleisch, aber auch Bewegungsarmut die Aussichten auf ein langes, gesundes Leben trüben. Jetzt sollen Wissenschafter im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ziemlich genau errechnet haben, um wie viele Jahre der Mensch länger leben kann, wenn er auf die genannten „Sünden“ verzichtet, sich entsprechend ernährt und bewegt und somit auf ein normales Gewicht achtet: Nämlich bis zu 17 Jahren.

Un- und günstiges Risikoprofil

Für ihre aktuelle Untersuchung stand den DKFZ-Epidemiologen um Rudolf Kaaks, Leiter der am DKFZ beteiligten EPIC-Studien Heidelberg, ein Datenschatz zur Verfügung. Errechnet haben die Wissenschafter, wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sind, die ein solch ungesunder Lebensstil mit sich bringt: Wie viele Jahre raubt das einzelne Risikoverhalten von der durchschnittlichen Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen? Und welche Auswirkungen haben die kombinierten Risiken?

Den Nichtrauchern haben die Wissenschafter das günstigste Risikoprofil – und damit die höchste Lebenserwartung – erstellt. Diese Menschen weisen einen Body Mass Index (BMI) zwischen 22,5 und 24,9 auf, trinken fast keinen Alkohol, sind körperlich aktiv, meiden rotes Fleisch, essen hingegen viel Obst und Gemüse und können als Vierzigjährige noch weitere 47,5 Lebensjahre (Männer) bzw. 48,7 (Frauen) genießen.

Bei den einzelnen riskanten Lebensstilfaktoren wurde der Tabakkonsum als gefährlichster Faktor ermittelt. Raucht ein Mann über zehn Zigaretten pro Tag, verliert er laut Statistik 9,4 Jahre an Lebenserwartung, bei einer Frau sind es 7,3 Jahre. Aber auch wer weniger als zehn Glimmstängel pro Tag inhaliert, reduziert seine Lebenserwartung um etwa fünf Jahre.

Adipositas ist der nächste lebensverkürzende Faktor. Wer starkes Übergewicht bei einem BMI von über 30 mit sich herumschleppt und viel Alkohol trinkt, kann etwa drei Jahre verlieren. Der häufige Genuss von rotem Fleisch kann Frauen 2,4 Jahre und Männer 1,4 Jahre kosten.

Bürohocker und Couch-Potatoes aufgepasst: Einen signifikanten Verlust an Lebenszeit errechneten die Forscher bei Mangel an körperlicher Aktivität.

Riskante Kombination

Den DKFZ-Epidemiologen zufolge bleibt es bei vielen Menschen nicht bei einer einzigen ungesunden Angewohnheit. Um das zu berücksichtigen, erforschten sie auch, welche Effekte eine Kombination dieser riskanten Lebensstilfaktoren mit sich bringt.

Das Ergebnis: Ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, büßt gegenüber einem Menschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau wären es 13,9 Jahre.

„Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als ‚erhobener Zeigefinger‘ empfunden“, sagt EPIC-Leiter Rudolf Kaaks zur Studie. „Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet.“

Das EPIC-Zentrum

» Seit bereits 20 Jahren werden die Lebensstilfaktoren von mehr als einer halben Million Europäer sorgfältig dokumentiert.

» EPIC ist die gesamteuropäische Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs.

» Das EPIC-Zentrum im DKFZ betreut 25.540 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg. Deren Daten flossen in die neue Erhebung ein.

» Die EPIC-Daten sind von hoher Qualität, da die Teilnehmer im Verlaufe der Studie mehrfach zu ihrem Lebensstil befragt worden sind.

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