Gefahr durch altes AKW

Wissen / 30.10.2014 • 16:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Reaktoren des 30 Jahre alten Kernkraftwerks Dukovany werden von einem zentralen Kontrollraum aus betrieben.  FOTO: REUTERS
Die Reaktoren des 30 Jahre alten Kernkraftwerks Dukovany werden von einem zentralen Kontrollraum aus betrieben. FOTO: REUTERS

Global 2000 will Aus für tschechisches AKW. Osten Österreichs ist im Risikogebiet.

Heidi Rinke-Jarosch

prag. Am 31. Dezember 2015 läuft die Betriebserlaubnis für den Reaktor 1 des tschechischen Kernkraftwerks Dukovany ab. Der Reaktor soll aber nicht stillgelegt werden. Der Betreiber Cez will ihn noch weitere 20 Jahre weiterfahren.

Das Kernkraftwerk wurde in den Jahren 1985 bis 1987 in Betrieb genommen. Es besteht aus vier Reaktorblöcken mit einer Gesamtleistung von 1792 MW. Es handelt sich um Druckwasserreaktoren, die in der Sowjetunion entwickelt wurden. Auch die AKW in Tschernobyl und Fukushima sind mit Druckwasserreaktoren ausgerüstet.

Großes Sicherheitsrisiko

In Dukovany gibt es kein Containment – das sind Sicherheitsbehälter, die als Barrieren für eventuell austretende radioaktive Stoffe um die Reaktorblöcke gelegt werden. Durch ein fehlendes Containment ist die Anlage nicht geschützt gegen Einwirkungen von außen, wie Flugzeugabstürze, aber auch gegen Unfälle in den Reaktoren. Damit ist das vom Energie-Unternehmen Cez betriebene AKW Dukovani ein Sicherheitsrisiko. Auch für Österreich. Denn das AKW steht nur 50 Kilometer von Brünn und 120 Kilometer von Wien entfernt. Nicht auszudenken, was allein im Osten Österreichs im Fall eines Super-GAU passieren könnte.

Bisher konnten die AKW-Betreiber bei der nationalen Regulationsbehörde um eine Verlängerung der Laufzeit ihrer Reaktoren ansuchen, die nach einer meist oberflächlichen Prüfung den Weiterbetrieb um zehn bis 20 Jahre genehmigte. Seit Juni dieses Jahres ist dies nicht mehr so einfach möglich. Die Anti-Atom-Bewegung hat nämlich erreicht, dass die Laufzeitverlängerung von alten Kernkraftwerken an die „Espoo-Konvention“ der Vereinten Nationen verpflichtend gebunden ist. Diese schreibt eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mit Öffentlichkeitsbeteiligung vor, bei der konkrete Unterlagen vorzulegen sind.

Global 2000 kämpft

Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 hat die tschechischen Behörden mit dieser neuen Erkenntnis der UN-Wirtschaftskommission für Europa konfrontiert. „Sie teilen uns jedoch mit, dass dies ihrer Meinung nach nicht für sie gilt“, informierte Reinhard Uhrig, Anti-Atomsprecher von Global 2000, Anfang der Woche. Die Organisation werde aber dafür kämpfen, „dass das internationale Recht auch von Tschechien respektiert und die Laufzeitverlängerung des alten Reaktors 1 in Dukovany durch ein hartes Verfahren gestoppt wird“, sagte Uhrig.

Gleichzeitig startete Global 2000 eine Petition, mittels der Umweltminister Andrä Rupprechter aufgefordert wird, sich bei der tschechischen Regierung für die grenzüberschreitende UVP nach der „Espoo-Konvention“ einzusetzen.
In den ersten 48 Stunden haben 13.500 Personen die Petition unterschrieben, meldete Uhrig. Damit werde ein klares „Aus“ für Dukovany 1 signalisiert.

Rupprechter und Brabec

Als Erfolg verbucht Uhrig für Global 2000 auch, dass Rupprechter seinen tschechischen Kollegen Richard Brabec zu einer Zusage zu rechtskonformen UVP für die tschechischen Atom-Neubaupläne bewegen konnte. Tschechien arbeite an einem neuen Gesetz, das die österreichische Beteiligung an einer UVP zum geplanten Ausbau der Atomkraftwerke in Dukovany und Temelin gewährleisten soll, berichtet Rupprechter. Das habe ihm Brabec versichert.

Das entsprechende Gesetz soll Ende Jänner ins tschechische Parlament kommen. „Wenn dann die UVP im Laufe des kommenden Jahres startet, sind wir integriert“, so Rupprechter. Brabec habe ihm zudem zugesagt, dass die Vorlage EU-konform sei, was bedeute, dass auch die Nicht-Regierungsorganisationen Anhörungsrecht hätten.