Tiermassaker für Palmöl

Wissen / 02.01.2015 • 13:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Elefantenbaby Raju wurde von Dorfbewohnern allein auf einer Palmölplantage auf Sumatra gefunden. Seine Mutter wurde getötet.  AP
Das Elefantenbaby Raju wurde von Dorfbewohnern allein auf einer Palmölplantage auf Sumatra gefunden. Seine Mutter wurde getötet. AP

Für Palmöl werden Urwälder abgeholzt, und Tiere verlieren ihren Lebensraum.

schwarzach. Ein Elefantenkalb versucht mit dem Rüssel, seine am Boden liegende Mutter aufzuwecken. Vergeblich – sie wurde vergiftet, so wie 13 weitere Tiere. Ihre Kadaver wurden auf der Konzession des staatlichen Holz- und Palmölkonzerns Yayasan Sabah gefunden. Die Elefanten gehörten alle zu derselben Herde, die sich am Rande des Regenwaldreservats aufhielt – in unmittelbarer Nähe zu einem Holzfällercamp und Ölpalmplantagen. Die Tiere hatten vermutlich Rattengift aufgenommen, ausgelegt von Arbeitern einer Ölpalmplantage, fast alle in Sabah.

Regenwald wird vernichtet

Malaysia setzt weiterhin auf Tropenholz und Palmöl für den Export. Die Politiker sind dabei, die letzten Regenwaldgebiete in den Bundesstaaten Sabah und Sarawak auf Borneo für Plantagen zu vernichten. Und mit ihnen eine unglaubliche Fülle an Tier- und Pflanzenarten. Sabahs Premierminister Musa Aman treibt die Abholzung der Wälder voran. Er hat die Konzessionen für Regenwaldrodung und Ölpalmplantagen gegeben. Zugleich ist er Vorsitzender des Staatskonzerns Yayasan Sabah. Ende 2012 hat die Firma damit begonnen, weitere 100.000 Hektar Regenwald für Plantagen abzuholzen. Für die Waldelefanten ist nun kein Platz mehr. Sie sind in Malaysia per Gesetz (Wildlife Conservation Enactment) geschützt. Sie zu jagen oder zu töten, wird mit Geldstrafen und bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Doch wo kein Kläger, da kein Richter.

Die Palmöl-Branche macht immer wieder Negativschlagzeilen. Dabei ist das begehrte Pflanzenöl nach Schätzungen des WWF in der Hälfte aller Supermarktprodukte enthalten. Fertigpizza, Waschmittel, Schokoladenkekse, Lippenstift, Biodiesel: Es gibt kaum ein Produkt, in dem es nicht enthalten ist. Doch um es herzustellen, werden Bauern vertrieben, Urwälder abgeholzt. Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum, in Malaysien wurden jüngst Borneo-Zwergelefanten vergiftet, eine seltene Unterart der Waldelefanten, von denen es höchstens noch 1.500 Tiere gibt. Nach Angaben der Organisation Sarawak Report bereichert sich Sabahs autoritärer Machthaber Musa Aman seit Jahren an der Rodung der Regenwälder und dem illegalen Holzhandel. Er und sein Familienclan sollen Holzeinschlags- und Exportgenehmigungen erteilen und dafür saftige Kommissionen kassieren, schreiben auch malaysische Zeitungen.

Ermittlungen gegen Clan

Gegen den Musa-Aman-Clan ermittelt bereits seit 2007 die malaysische Antikorruptionsbehörde. Um die Herrscherfamilie von Musa Aman soll ein mafiöses Netzwerk aus Korruption und Geldwäsche entstanden sein, das über Hong Kong, Singapur bis in die Schweiz reicht, berichtet der Schweizer Bruno Manser Fonds. Allein 70 Millionen Euro Schmiergeld sollen über Konten der UBS-Großbank gewaschen worden sein. Nach einer Anzeige der Umweltorganisation, die seit vielen Jahren den Kampf gegen die Zerstörung des Regenwaldes unterstützt, hat inzwischen die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen die Bank ein Strafverfahren eröffnet.

Der Holzeinschlag war jahrzehntelang das Standbein von Yayasan Sabah. Durch sogenannte selektiven Holzeinschlag wurden die wertvollen Edelhölzer auf den Konzessionen der Firma vollständig geplündert. Der verbliebene Regenwald ist schwer geschädigt, könnte sich aber langfristig wieder von den Folgen des Holzeinschlags erholen.

Doch darauf setzt der Staatskonzern nicht, stattdessen sollen nun die leergeräumten Regenwälder in industrielle Holz- und Palmölplantagen umgewandelt werden. Die Firma hat damit begonnen, 100.000 Hektar Regenwald für die Umwandlung in industrielle Ölpalmplantagen abzuholzen. Die Rodungen werden rund drei Jahre dauern.

Nachhaltiges Palmöl

Die Verpflichtung auf nachhaltiges Palmöl ist eine der primären Neuerungen der Mitte Dezember in Kraft getretenen Regelungen des EU-Umweltzeichens. Diese gelten für Shampoos, Seifen und weitere Kosmetikartikel.