Forscher auf der Suche nach der Super-Koralle

Wissen / 13.11.2015 • 16:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Experten warnen angesichts der globalen Erwärmung vor einer Bedrohung für die Korallenriffe. Foto: AP
Experten warnen angesichts der globalen Erwärmung vor einer Bedrohung für die Korallenriffe. Foto: AP

Eine neue Züchtung soll ein wärmeres Klima und einen höheren Säuregehalt im Wasser überleben.

Hilo. Wissenschaftler auf Hawaii suchen die Super-Koralle. Die Züchtung soll ein wärmeres Klima und einen höheren Säuregehalt im Wasser überleben können. Dabei läuft den Forschern die Zeit davon: Experten warnen angesichts der globalen Erwärmung vor einer Bedrohung für die Korallenriffe dieser Erde, die vielen Meeresbewohnern einen Lebensraum geben, Küsten schützen und Taucher begeistern.

Um das alles leisten zu können, muss die Koralle gesund sein. Wenn sie durch veränderte Umweltbedingungen unter Stress gerät, stoßen sie die Algen, die auf ihrer Kalkschicht siedeln, ab und bleichen aus. Weiß oder hellgelb erscheint die Koralle dann, wie Ruth Gates erklärt, Direktorin am Institut für Marinebiologie im US-Staat Hawaii. Von dieser Bleiche kann sich der Organismus erholen. Er kann aber auch absterben, besonders, wenn sie mehrere Jahre in Folge auftritt.

Korallenbleiche verstärkt

Gates forscht in der Kaneohe Bay vor Coconut Island und schätzt, dass dort dieses Jahr 60 bis 80 Prozent der Korallen ausgebleicht sind. „Die Korallenbleiche hat sich verstärkt und ist schwerwiegender geworden“, sagt Gates. Früher hätten sie nach den gebleichten Korallen unter all den gesunden gesucht, heute suche ihr Team „nach den gesunden Wesen in einem Meer aus bleichen Korallen“.

Die gesunden Korallen bringen Gates und ihre Mitarbeiter in ihr Forschungszentrum auf der Insel. Dort setzen sie die Korallen schwierigeren Bedingungen mit höheren Temperaturen und einem höheren Säuregehalt aus. Die stärksten Exemplare kreuzen sie, um so mit der neuen Züchtung eine mit größerer Widerstandskraft zu erhalten. Die Forscher wollen auf diese Weise der Evolution auf die Sprünge helfen und die Korallen auf eine veränderte Umwelt vorbereiten. Die Methode wird schon seit Tausenden Jahren an Pflanzen und Tieren angewandt, wurde jedoch noch nie an frei lebenden Korallen erprobt. „Wir schenken ihnen Erfahrungen, von denen wir glauben, dass sie ihre Fähigkeit zum Überleben von Stress stärken“, erklärt Gates. Sie hofften, dass diese Korallen, die bald zurück in die Bucht gebracht werden sollen, ihre Farbe behalten und sich dann im nächsten Sommer vermehren.

Die US-Umweltbehörde NOAA warnte Anfang Oktober, die Korallenbleiche trete weltweit in großem Ausmaß auf. Wahrscheinlich würden in diesem Jahr zehn bis 20 Prozent der Korallenriffe verloren gehen, sagte NOAA-Mitarbeiter Mark Eakin bei der Vorstellung des Berichts. „In Hawaii ist die Korallenbleiche schlimmer, als wir je gesehen haben.“

Es ist bereits das zweite Jahr mit extremer Korallenbleiche vor der Inselgruppe. Wissenschaftler erklären, die höheren Meerestemperaturen, die Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño und die Versauerung der Meere hätten schon rund 30 Prozent der weltweiten Korallenpopulation verenden lassen.

Wettlauf gegen die Zeit

Beim Versuch gegenzusteuern stehen Gates und ihr Team vor Herausforderungen. Zunächst einmal ist gar nicht sicher, dass sich eine erfolgreiche Arbeit mit den Korallen in größerem Maßstab wiederholen lässt. Und dann ist da noch der Faktor Zeit: Können sie ihr Projekt überhaupt rasch genug ausweiten, bevor ein Großteil der Korallenriffe dieser Erde verschwunden ist? Das hängt von den Bemühungen der Forscher und der Finanzierung ihrer Arbeit ab, erklärt Tom Oliver, der zuständige Abteilungsleiter bei der NOAA. „Die Frage ist nicht, ob sie es können, sondern ob sie es schnell genug können“, sagt er. Die Korallen zu züchten und auszusetzen kostet Zeit und damit Geld. Andere Projekte zur Rettung von Korallen hätten damit oft Probleme.

Ziel sei es, den Korallen dabei zu helfen, die globale Erwärmung zu überstehen, erklärt Gates. Gleichzeitig sei es jedoch notwendig, die Abhängigkeit des Menschen von fossilen Brennstoffen zu beenden und den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken.

„Auch wenn wir heute alle Treibhausgasemissionen stoppen würden, dann bleibt da immer noch eine Verzögerung in der Atmosphäre, wo der Klimawandel wahrscheinlich noch 100 Jahre weitergeht“, sagt van Oppen. „Es ist schwer vorstellbar, dass es nicht schlimmer wird.“