Vom Planeten-Jäger bis zur Zika-Detektivin

Wissen / 23.12.2016 • 11:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Demis Hassabis‘ (l.) Intelligenz-Software besiegte den südkoreanischen Meister im Strategiespiel Go, Lee Sedol (r.), ein ums andere Mal. afp
Demis Hassabis‘ (l.) Intelligenz-Software besiegte den südkoreanischen Meister im Strategiespiel Go, Lee Sedol (r.), ein ums andere Mal. afp

Fachmagazin „Nature“ kürte die zehn einflussreichsten Forscher des Jahres 2016.

Washington. „Die Wissenschafter auf der 2016 Nature-Zehnerliste sind eine sehr diverse Gruppe“, sagt Richard Monastersky, einer der „Nature“-Herausgeber. „Aber sie alle haben wichtige Rollen in großen Wissenschaftsereignissen des Jahres gespielt, mit dem Potenzial, eine Veränderung auf globaler Ebene zu bewirken.“ Ein Überblick über herausragende Leistungen:

Der Planeten-Jäger

Der Astronom Guillem Anglada-Escude war erleichtert, als die Entdeckung des erdnächsten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems feststand. Er und sein Team hatten fieberhaft gearbeitet, um im Wettbewerb der Planetenjäger zu bestehen. Schließlich konnten die Forscher um Anglada-Escude den Planeten Proxima b nachweisen, der den Stern Proxima Centauri umkreist.

Der Go-Champion

Der Mitbegründer der Londoner Firma DeepMind, Demis Hassabis, wollte vor allem denkende Maschinen entwickeln. Zu Jahresbeginn war es so weit: Die Intelligenz-Software AlphaGo besiegte den südkoreanischen Meister im Strategiespiel Go, Lee Sedol, ein ums andere Mal. Go mit seinen vielen möglichen Spielzügen galt bis zuletzt als zu komplex für Computer.

Der Korallenfreund

Terry Hughes, einer der international führenden Korallenforscher, schlug Alarm: Das Great Barrier Reef in Australien hat die schlimmste je erfasste Korallenbleiche zu verkraften. In einer 700 Quadratkilometer großen Region des Riffs starben zwei Drittel der Korallen, weil sie lebenswichtige Algen verloren hatten und durch steigende Wassertemperaturen förmlich gekocht wurden.

Der Fruchtbarkeitsrebell

Weil die Mutter an einer seltenen, die Zellkraftwerke (Mitochondrien) betreffenden Erbkrankheit litt, hatte der US-Fruchtbarkeitsexperte John Zhang mit einer neuartigen Technik den gereiften, aber noch unbefruchteten Kern der mütterlichen Eizelle entfernt und ihn in eine entkernte Spender-Eizelle mit gesunden Mitochondrien eingesetzt. Die so entstandene Zelle wurde mit dem Samen des Vaters befruchtet. Neun Monate später kam ein Bub zur Welt.

Der Kühl-Experte

Dank des Niederländers Guus Velders wird das schädliche Kühlmittel und Treibhausgas FKW aus Kühlschränken und Co. verschwinden. Der Atmosphäre-Chemiker legte bei den Klimaverhandlungen in Ruanda im Herbst die entscheidenden Zahlen vor, die der gesamten Staatengemeinschaft einen schrittweisen Bann des verbreiteten Kühlmittels Fluorkohlenwasserstoff ermöglichten.

Die Studien-Piratin

Die Informatikstudentin Alexandra Elbakyan aus Kasachstan betreibt die Piraten-Website „Sci-Hub“, über die Studien umsonst und jenseits von Paywalls zu bekommen sind. Seit sie 2015 vom niederländischen Wissenschaftsverlag Elsevier auf Copyright-Verletzungen und Hacking verklagt wurde, ist sie abgetaucht.

Hüter der Genschere

Der Biologe Kevin Esvelt vom Massachusetts Institute of Technology in Boston hat selbst schon mit der viel gefeierten Allzweck-Genschere CRISPR-Cas9 gearbeitet. Sie ermöglicht Eingriffe in die DNA und das Herausschneiden bestimmter Bereiche auf relativ einfache Weise. Doch Esvelt befürchtete, die Methode könnte auch ungewollte ökologische Kettenreaktionen auslösen oder zum Bau biologischer Waffen genutzt werden. Deshalb entwickelte er das Verfahren weiter und machte es sicherer.

Physikerin für Minderheiten

Die Kernphysikerin Elena Long erforscht den Umgang mit schwulen, lesbischen, bi- oder transsexuellen Wissenschaftern. Long, selbst eine Trans-Frau, initiierte bei der Amerikanischen Physiker-Gesellschaft (APS) eine Mitgliederumfrage dazu und präsentierte die Ergebnisse bei einer APS-Konferenz: Mehr als ein Fünftel der Betroffenen, die antworteten, hatten Diskriminierung im Jobumfeld erlebt.

Gravitationswellenzähmerin

Die Physikerin und Sprecherin am Ligo-Observatorium, Gabriela Gonzalez, hat beim Nachweis der lang gesuchten Gravitationswellen eine wichtige Rolle gespielt. Die winzigen, bereits von Albert Einstein vorausgesagten Wellen stauchen und strecken den Raum. Ihr Nachweis eröffnete ein neues Kapitel in der Weltraumforschung.

Die Zika-Detektivin

Als in Brasilien die ersten Kinder mit zu kleinen Köpfen geboren wurden, beauftragte die Regierung die Medizinerin und Expertin für Infektionskrankheiten, Celina M. Turchi, den mysteriösen Fällen nachzugehen. Turchi bildete eine Task Force aus Fachmedizinern aus aller Welt. Diese konnte einen Zusammenhang zwischen einer Zika-Infektion im ersten Schwangerschaftsdrittel und der Schädel- und Hirnfehlbildung nachgeweisen.