Kannibalismus lohnt sich laut Forscher nicht

Wissen / 07.04.2017 • 12:45 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Brighton. Der Nährwert eines Menschen ist vergleichsweise gering. Tiere wie Mammuts, Wollnashörner oder Hirsche lieferten weit mehr Kalorien als ein kannibalistisch verspeister Artgenosse, berichtet der Archäologe James Cole von der University of Brighton im Fachjournal „Scientific Reports“. Er hat den Nährwert einzelner menschlicher Körperteile errechnet, um den Gründen für den Kannibalismus unter Urmenschen und Menschen in der Altsteinzeit auf die Spur zu kommen. Die Analyse belege, dass bloße Ernährung damals wohl nicht die entscheidende Motivation für Kannibalismus war.

Hinweise auf Kannibalismus finden sich an einigen altsteinzeitlichen Fundstätten von verschiedenen Menschenarten wie dem Neandertaler oder dem modernen Menschen (Homo sapiens). Zu den Gründen gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige Experten nehmen an, die Artgenossen seien gegessen worden, um Hunger zu stillen. Starb ein Mensch, stellte er schließlich eine leicht verfügbare Nahrungsquelle dar. Andere nehmen an, dass eher rituelle oder symbolische Gründe eine Rolle spielten.

Cole ging die Frage faktenorientiert an: Er analysierte bekannte Angaben zur chemischen Zusammensetzung aller Körperteile von vier erwachsenen, modernen Menschen. Insgesamt liefere ein vollständig verzehrter Mensch knapp 150.000 Kalorien. Tiere vergleichbarer Körpergröße und mit vergleichbarem Gewicht hätten zwar in etwa den gleichen Nährwert, hätten aber weitaus mehr Kalorien geboten.

So habe eine 25-köpfige Neandertaler-Gruppe von einem erlegten Mammut etwa 35 Tage zehren können – ein einzelner Mensch habe die Gruppe nicht mal einen Tag lang gesättigt.