Einsame beginnen um sich selbst zu kreisen

Wissen / 16.06.2017 • 16:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Einsamkeit kann egozentrisch machen, aber auch umgekehrt.

chicago. Wer einsam ist, neigt einer neuen US-Studie zufolge dazu, in der Folge immer mehr um sich selbst zu kreisen. Und ausgeprägte Selbstbezogenheit wiederum verstärkt auf Dauer die Einsamkeit. Der US-Psychologe John Cacioppo forscht seit Jahren zur Einsamkeit. In diversen Studien in verschiedenen Ländern fand er heraus, dass sich im Schnitt etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung einsam fühlen.

Kurzfristig sei Einsamkeit evolutionär durchaus sinnvoll, denn sie bringe den Einsamen dazu, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und motiviere ihn, seine Sozialkontakte zu pflegen, sagten Cacioppo und Kollegen von der Universität Chicago.

Für die neue Studie sichteten die Forscher Daten einer umfassenden Gesundheitsuntersuchung, bei der von 2002 bis 2013 rund 230 Amerikaner zwischen 50 und 68 Jahren jährlich befragt wurden. Es zeigte sich, dass einsame Teilnehmer nach einem Jahr mehr Selbstbezogenheit zeigten. Dies hatten die Forscher durchaus erwartet. Überrascht waren sie jedoch, dass Selbstbezogenheit sich auch als Indikator für Einsamkeit herausstellte.

Selbst-Heirat im Mini-Trend

Ob diese Zusammenhänge auch den Mini-Trend zur sogenannten Selbst-Heirat verstärken, ist nicht bekannt. In den USA und in Japan geben sich zunehmend Frauen selbst das Jawort. Das heißt, sie stecken sich selbst einen Ring an den Finger und versprechen – auch sich selbst – ewige Liebe und Treue.

Dabei geht es offenbar einerseits um ein Bekenntnis zu sich selbst, andererseits auch darum, einmal Braut zu sein – auch ohne Mann.