Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Kollegah

11.05.2018 • 13:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Studenten wiederholten diesen Scherz weltweit immer wieder. Sie eröffneten in einer Fußgängerzone einen „Informationsstand“ und forderten mittels Flugblättern und Unterschriftenlisten ein Verbot des chemischen Wachstumsmittels Oxigendihydroxid (Wasser), einen besseren Schutz des Zwergalligatorenreservats im Rheindelta oder die Aufnahme von Texten in die Verfassungsgesetze, die längst drinstehen. Viele Passanten unterschrieben, obwohl der Unsinn der Initiative zum Greifen war. Niemand wollte sich mit vermeintlichem Nichtwissen bloßstellen lassen.

Ähnlich läuft es mit der Kunst. Irgendwann im Laufe des 20. Jahrhunderts gelang es der „Szene“, den Leuten einzureden, dass alles Kunst ist, wenn es der Klerus der Postmoderne als solche bezeichnete. Egal, was da an Plunder daherkam, es war „Kunst“, wenn einer den Zeigefinger erhob und es „Kunst“ nannte. Solange niemand – außer einer Handvoll Naiver – damit geschädigt wird, ist das akzeptabel. Der Spaß hört dann auf, wenn die Sache in Richtung Verhetzung geht.

Der deutsche Rapper Felix Blume, genannt auch „Kollegah“, veröffentlicht seine Musik auf seinem eigenen Label „Alpha Music Empire“. Der Name erinnert an „Alpha Industries“, deren Bomberjacken und Kampfanzüge sich bei Links- wie Rechtsextremisten großer Beliebtheit erfreuen. Kollegah und sein Co-Rapper Farid Bang sorgten kürzlich für einen Riesenskandal, als sie den bekannten Echo-Preis in der Kategorie Hip-Hop/Urban National erhielten. Erst als prominente Preisträger wie Daniel Barenboim ihre Echo-Preise zurücklegten, weil Kollegah und Farid Bang in ihrem Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ antisemitische Texte transportiert hatten, wachten die Medien auf. Der Skandal ist so gravierend, dass der Echo-Preis abgeschafft werden wird. Der wahre Skandal liegt aber darin, dass Kollegah schon immer hetzerische Texte verwendete, die in Kreisen der Kulturszene mit Kunst verwechselt und daher – schweigend – akzeptiert wurden.

Kollegah gibt auch pseudowissenschaftliche Stellungnahmen ab. In einem Interview, das im Internet auf YouTube zu sehen ist, äußert er sich zur Evolutionstheorie und verbreitet dabei einen solchen Unsinn, dass Biologen die Haare zu Berge stehen. Man kann nicht alles wissen. Es wird sogar immer schwieriger, sich eine gute Allgemeinbildung aneignen zu können, zu der auch ein gewisses Bekenntnis zum Nichtwissen in manchen Bereichen gehört. Es fällt aber auf, dass nicht wenige Künstler, und solche, die sich dafür halten, einen Hang zu Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften zeigen. In dieser Rubrik wurde schon mehrmals dieses Phänomen angesprochen. Weitere Beispiele werden folgen.

„Der Skandal ist so gravierend, dass der Echo-Preis abgeschafft werden wird.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.