Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Signalrote Fahnen

02.03.2019 • 13:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist in diversen Internet-Blogs Mode geworden, überall Nazis am Werk zu sehen. Abgesehen davon, dass das Wort „Nazi“ eine schlampige Verkürzung ist, da es sich um Nationalsozialisten handelt, ist dieses Geschwätz gedankenlos, und das aus mehreren Gründen. Es gibt zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten so wenige Unterschiede, dass beide Ideologien in einem Atemzug genannt werden müssten. Die rot-braunen Ähnlichkeiten sind augenfällig, es können hier nur einige wenige aufgezählt werden.

Konkurrierende politische Parteien wurden gewaltsam entfernt, der Staat wurde der jeweiligen herrschenden Partei untergeordnet, die Parlamente wurden in braune und rote Scheinparlamente ohne Opposition umgewandelt, die Gewaltenteilung wurde beseitigt, die Presse gleichgeschaltet, die Sprache streng reglementiert; es gab Ministerien für Volksaufklärung und Propaganda, es wurde eine Polizei ohne rechtsstaatliche Kontrolle installiert (Gestapo – GPU), es wurden verpflichtende staatliche Jugendorganisationen aufgebaut (HJ, Komsomol, Junge Pioniere), es gab Parteiaufmärsche und Massenkundgebungen, der 1. Mai war sowohl bei den Nationalsozialisten als auch bei den Kommunisten ein hoher Feiertag, der rote Antisemitismus stand dem braunen kaum nach, weiters folgten Attacken gegen die christlichen Kirchen, und die Symbole (Hakenkreuz, Hammer und Sichel) wurden auf signalroten Fahnen präsentiert. Die Aufzählungen sind unvollständig.

„Nationalsozialismus und Kommunismus waren die beiden tödlichsten Ideologien des 20. Jahrhunderts.“

Rudolf Öller, Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes

Die Millionen Mordopfer, um das euphemistische Wort „Tote“ zu vermeiden, dürfen selbstverständlich nicht verschwiegen werden. Welchem der beiden Mordsysteme mehr Menschen zum Opfer gefallen sind, ist nicht die Frage. Jede mengenmäßige Wertung wäre unmoralisch. Nationalsozialismus und Kommunismus waren die beiden tödlichsten Ideologien des 20. Jahrhunderts. Der grausame und rückständige Islamismus wurde erst um die Jahrtausendwende zum Problem.

Eine unvermeidliche Begleiterscheinung der beiden Systeme war, und darauf wurde hier schon öfter hingewiesen, die Unterdrückung von Kunst und Wissenschaften. Sowohl die Nationalsozialisten als auch die Kommunisten haben die Früchte europäischer Aufklärung, das freie Streben nach Wissen und Kunst, eingeschränkt. Wissenschaft wurde fast ausschließlich für militärische Zwecke gefördert.

Im Juli dieses Jahres jährt sich die bemannte Mondlandung zum fünfzigsten Mal. Die Amerikaner haben – genauso wie die Sowjets – ihre Raketentechnik deutschen Ingenieuren zu verdanken. Die Sowjetkommunisten scheiterten jedoch – nach Anfangserfolgen mit dem Sputnik und dem Kosmonauten Juri Gagarin – an ihrem totalitären System. Demnächst mehr dazu.

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