Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Bonzen

09.03.2019 • 07:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die erste Mondlandung jährt sich in wenigen Monaten zum fünfzigsten Mal. In diesem Zusammenhang wird auch die Frage auftauchen, warum die Sowjetunion, die in der Raumfahrttechnik jahrelang die Nase vorne hatte, ab Mitte der Sechzigerjahre ins Hintertreffen geriet. Die Antwort ist einfach. Der Niedergang der sowjetischen Raumfahrt begann mit der Einmischung der Politbüro-Bonzen in Moskau.

Am Anfang hatte der Raketenbauer Sergej Koroljow freie Hand. Seine Aufgabe lautete, mit Hilfe deportierter deutscher Ingenieure atomare Interkontinentalraketen zu konstruieren. Zu diesem Zweck wurde in der kasachischen Steppe das Raumfahrtzentrum Baikonur errichtet. Chefingenieur der Deutschen war Helmut Gröttrup. Die Sojusrakete zeigt heute noch seine technische Handschrift. Die Deutschen wurden Mitte der Fünfzigerjahre ausgemustert, nachdem die russischen Ingenieure genug gelernt hatten.

„Sie machte bei ihrem Raumflug so viele Fehler, dass Koroljow mehrere Tobsuchtsanfälle bekam.“

Koroljow ersuchte Ministerpräsident Nikita Chrustschow, einen Satellitentest mit der neuen Rakete „Semiorka R7“ zu erlauben, weil sich die Entwicklung der Atomsprengköpfe verzögerte. Am 4. Oktober 1957 flog „Sputnik 1“ in eine Erdumlaufbahn. In der Folge gelangen dem Team um Koroljow mehrere spektakuläre Erfolge bis hin zum ersten bemannten Raumflug durch Juri Gagarin. Nachdem die kommunistische Nomenklatura in Moskau die propagandistische Macht der Raumfahrt erkannt hatte, begannen die roten Bonzen sich einzumischen. Prestige war ihnen wichtiger als eine technische Entwicklung. So wurde beispielsweise befohlen, die für einen Raumflug nur unzureichend ausgebildete Textilarbeiterin Walentina Tereschkowa nach oben zu schießen. Sie machte bei ihrem Raumflug so viele Fehler, dass Koroljow mehrere Tobsuchtsanfälle bekam. Weiters wurde völlig sinnlos befohlen, drei Kosmonauten in einem Raumschiff zu transportieren. Koroljow stopfte drei bedauernswerte Männer ohne Raumanzüge in eine alte Wostok-Einmannkapsel, benannte diese in „Woschod“ um und startete das Himmelfahrtskommando am 12. Oktober 1964. Die drei Kosmonauten überlebten nur mit Glück dieses Himmelfahrtskommando.

Präsident Kennedy gab in seiner berühmten Rede an die Nation am 25. Mai 1961 der NASA den Auftrag, noch vor dem Ende des Jahrzehnts einen Astronauten zum Mond und wieder zurück zu transportieren. In die technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen der NASA mischte sich kein amerikanischer Politiker ein. Das war der Hauptgrund, warum die Amerikaner das Mondrennen gewannen und die Sowjetunion versagte. Das Sommerthema des „VN-Scheinwerfers“ wird sich von Ende Juni bis Anfang September dieses Jahres mit den Mondmissionen und ihren technischen Besonderheiten beschäftigen.

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes

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