Die Wundermaschine – oder gratis heizen

Wissen / 10.03.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Konventionelles Heizen könnte passé sein.
Konventionelles Heizen könnte passé sein.

Wie man auch mit einer umgekehrten Wärmepumpe heizt.

Schwarzach Bevor die Heizperiode vorüber ist, möchte ich eine „Wundermaschine“ vorstellen, die mich seit Jahrzehnten beschäftigt. Sie ist kein Wunder im religiösen Sinn – die Naturgesetze werden nicht aufgehoben – sondern man wundert sich, dass so etwas überhaupt existiert.

Der „Wärmetransformator“ ist eine Art Wärmepumpe, nur anders rum: Eine normale Wärmepumpe hebt bekanntlich Wärme von „kalt“ nach „warm“, also von Umgebungs- auf Wohnzimmertemperatur. Dazu braucht sie einen Kompressor, und der läuft mit Strom. Eine Absorptionswärmepumpe braucht keinen Strom, dafür ein drittes Temperaturniveau: „heiß“, zum Beispiel eine Gasflamme. So funktionieren Campingheizungen. Bei dieser Art Wärmepumpe gehen zwei Wärmeströme hinein, der „kalte“ und der „heiße“, einer kommt wieder raus – der „warme“. Der Clou dabei: es kommen mehr „warme“ Kilowattstunden raus, als ich „heiße“ hineingesteckt habe, das Verhältnis liegt also über eins. – Und was macht jetzt der Wärmetransformator? Der läuft umgekehrt. Die drei Wärmeströme drehen sich auf jedem Temperaturniveau um. Zwei fließen raus, nämlich der „kalte“ und der „heiße“, einer fließt rein, der „warme2

Relative Begriffe

Kalt, warm und heiß sind relative Begriffe. Kalt könnte die Umgebung sein (0 Grad), warm die Sole aus einer Tiefenbohrung( 10 Grad) und heiß das Heizungswasser (30 Grad). 10-grädige Sole bringt die Bodenwärme in die Maschine – dort wird der Großteil mit Außenluft auf 0 Grad abgekühlt – und ein kleinerer Teil auf 30 Grad angewärmt. Kompressor, Gasflamme? Gibt es nicht! Was es gibt, sind zwei kleine Umwälzpumpen, die im Inneren das Kältemittel Ammoniak und eine Ammoniak-Wasser-Mischung umpumpen. Beide haben nur ein paar Watt Leistung, die kostenmäßig nicht ins Gewicht fallen. Das ist eben das Wunderbare an der Maschine – sie würde das Haus fast gratis heizen! Warum hat sie sich dann nicht schon längst durchgesetzt?

Es gibt zwei kleine Probleme – über die ich schon lange nachdenke. Erstens ist das Wärmeverhältnis nur 0,18. Von 100 Prozent Wärme aus der Bohrung kommen nur 18 Prozent als Heizwärme an, 82 Prozent werden in die kalte Umgebung abgegeben. Die Anlage müsste also etwa fünfmal größer sein als bei einer normalen Wärmepumpe. Aber bitte: Eine Einmalinvestition, die Betriebskosten sind nahe Null. Das zweite Problem ist komplexer: Unsere Wunderheizung funktioniert verrückterweise um so besser, je kälter es draußen ist! Steigt die Außentemperatur von 0 auf 10 Grad, dann bleibt sie stehen. Nun könnten Sie sagen: Dann lassen wir die teure Bohrung weg, nehmen die 10 Grad außen als das neue „kalt“ – und 20 Grad von einem Sonnenkollektor als das neue „warm“!

Ja, das könnte man vielleicht machen, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen . . . wenn es Ihnen gelingt, darauf eine bezahlbare Heizung aufzubauen, soll es mich freuen. Viel Glück! (Von Christian Mähr)