Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

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06.04.2019 • 07:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Römer hatten ausgezeichnete Sprichwörter. „Dat legem natura tibi, non accepit ipsa“ hieß es schon vor 2.000 Jahren (Die Natur gibt dir ein Gesetz, sie selbst nimmt keines [von dir] an). Ein ähnliches Sprichwort lautet „Naturam expelles furca, tamen usque recurrent“ (Auch wenn du die Natur mit der Gabel austreiben wirst, wird sie doch zurückkommen). Es ist klar, was damit gemeint ist. Die Natur hält sich an keine menschlichen Beschlüsse, sie hält sich an gar nichts, schon gar nicht an irgendwelche Mehrheiten.

Die moderne Technik trickst doch die Natur aus, hört man gelegentlich. Irrtum! Die Technik nutzt die Naturgesetze, aber keine Technik der Welt kann die Schwerkraft aufheben oder den radioaktiven Zerfall eines instabilen Atoms verhindern. Wenn es um Naturgesetze geht, taucht immer wieder derselbe Fehlschluss auf. Dieser liegt in der Überbewertung der Demokratie. Sie ist eine Errungenschaft der Menschheit und seit dem Zeitalter der europäischen Aufklärung trotz aller Defizite eine erprobte Staatsform, aber in den Naturwissenschaften funktioniert sie nicht. In den Naturwissenschaften wird zwar auf Kongressen darüber abgestimmt, ob der Pluto ein Planet ist oder nicht, aber das ist eine Abstimmung über Bezeichnungen, nicht aber über Naturgesetze.

„In der Sowjetunion wurde Jahrzehnte darüber debattiert, ob es Gene gibt, obwohl die Frage im Westen längst geklärt war.“

1931 erschien das Buch „100 Autoren gegen Einstein“. Physiker versuchten, Einstein des Irrtums zu überführen. Seine Relativitätstheorie sei ein Hirngespinst, hieß es. Einstein reagierte witzig und vor allem richtig: „Wenn ich unrecht habe, genügt einer, um mich zu widerlegen“. Diskussionen über Naturgesetze wurden immer dann geführt, wenn den Wissenschaftlern Indizien, nicht aber belastbare Theorien vorlagen.

Es wurde beispielsweise über ein Jahrhundert darüber gestritten, ob Atome überhaupt existieren. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das zur Gewissheit. In der Sowjetunion wurde Jahrzehnte darüber debattiert, ob es Gene gibt, obwohl die Frage im Westen längst geklärt war. Sogar die Existenz von Röntgenstrahlen wurde nach ihrer Entdeckung 1895 von führenden Physikern in Frage gestellt.

Die Ursachen der Klimaschwankungen sind eine weitgehend offene Frage. Wir wissen, dass es in der Vergangenheit mehrmals wärmer war als heute. Über die Gründe sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig. In den USA haben bis heute rund 31.500 Wissenschaftler (!) das „Global warming Petition Projekt“ (www.petitionproject.org) unterschrieben. Darin geht es nicht um CO2, sondern um eine Diskussion über die tatsächlichen Ursachen von Klimaschwankungen, wie etwa die Sonnenflecken. Die wahre Klimadiskussion beginnt daher erst jetzt.

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.

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