Kühlen mit Mutter Erde

Wissen / 04.05.2019 • 13:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kühlung braucht oft Strom.APA

Wie man den Horrorsommern mit „Erdkühle“ entkommt.

Schwarzach Bei fortschreitendem Klimawandel wird zwar das Thema „Heizen“ im Winter nach wie vor virulent sein, im Sommer kommt aber das Thema „Kühlen“ dazu. Denn auch im Niedrigenergiehaus liegt die Heizgrenztemperatur bei 14 Grad – wenn es draußen kälter wird, muss geheizt werden. Nicht einmal die größten Katastrophenpropheten können uns garantieren, dass es niemals mehr kälter wird als 14 Grad. Die nötige Heizenergie wird abnehmen. Allerdings dürfen wir in den Sommern näherer Zukunft eine beträchtliche Kühlenergie dazurechnen.

Die allseits beliebte Wärmepumpe kann auch kühlen, dazu braucht sie Strom und eine Wärmesenke. Für die Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt wie beim Heizen nur die Luft infrage, das heißt, die Wärme aus dem Haus muss der über 30 Grad heißen Außenluft aufgedrückt werden. Das kostet ganz schön Energie, wodurch der Vorteil der Luft- gegenüber der Erdwärmepumpe, der geringere Anschaffungspreis, schneller verloren geht als jetzt, wo man Kühlung noch nicht einrechnet. Bei der Erdwärmenutzung kann dagegen der Boden sogar als saisonaler Speicher für überschüssige Sommerhitze verwendet werden, das dürfte die Erdwärme bei Neubauten wieder interessant machen. Es muss auch nicht eine teure Bohrung sein oder ein Flachkollektor, wo zur Verlegung auf großer Fläche zwei Meter Boden abgeschoben und zwischengelagert werden müssen.

Energiekörbe

Möglich, wenn auch relativ unbekannt sind Energiekörbe – buchstäblich „Körbe“, in denen man die Energie für eine solebasierte Wärmepumpe sammeln kann. Diese Körbe sind ein Mittelding zwischen den Extremen Tiefensonde (ein Bohrloch mit Soleschlauch) und dem Flachkollektor (Schlauch in Schlingen waagrecht im Garten verlegt). Beide Varianten haben Vor- und Nachteile, über die in einschlägigen Internetforen erbittert gestritten wird. Der Energiekorb hat den unbestrittenen Vorteil, dass man ihn selber verlegen kann. Es handelt sich um eine Tragstruktur aus Baustahlgittern in Form eines zwei Meter hohen Zylinders mit zwei Meter Durchmesser. Da drauf wird der Soleschlauch gewickelt. Diese Zylinder versenkt man als Energiesammler in einem drei Meter fünfzig tiefen Loch. Der Aushub ist gering, man braucht pro Korb auch nur zehn Quadratmeter Fläche, für ein Einfamilienhaus fallen zwischen drei und sechs Körbe an. Mindestabstand zwischen zwei Körben: zwei Meter.

Vorteil: es genügt ein Bagger zum Ausheben und Verfüllen der Löcher, das dauert auch nur einen Tag. Ein Korb liefert ein Kilowatt Heizleistung. Im Sommer kann die Sole „passiv“ das Haus kühlen, dann ist die Wärmepumpe nicht beteiligt und verbraucht auch keinen Strom! – Natürlich wird das auch schon fertig montiert als Energiesäule angeboten. Gründliche Recherche wird hiermit empfohlen, nicht immer ist es das Beste, was alle in der Umgebung machen! Christian Mähr