Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Gigant Europa

10.05.2019 • 15:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Europa ist nicht irgendein Kontinent. Es ist der Kontinent schlechthin. Es ist der Kontinent der ersten Demokratien der griechischen Stadtstaaten, es ist der Kontinent der britischen Magna Charta, es ist der Kontinent der großartigsten Bauwerke der Geschichte. Notre Dame ist nur eines von ihnen. Europa ist der Kontinent des Colosseums, des Stephansdoms, der Eremitage in St. Petersburg, des Louvre in Paris, des Prado in Madrid, der Petersbasilika in Rom, des Michelangelo Buonarroti, des Leonardo da Vinci, des Wolfgang Amadeus Mozart, des Ludwig van Beethoven, des Charles Darwin, des Gregor Mendel, des Albert Einstein. Europa ist der kulturelle Gigant der Geschichte. Nicht dass andere Kontinente nichts Kulturelles hervorgebracht hätten, aber Europa ist in seiner Qualität uneinholbar.

Bittere Ideologien

Europa ist auch der Kontinent der Kriege und der schlimmsten Ideologien (Marxismus und Nationalsozialismus) weltweit, denn Fortschritt ist leider nur möglich, wenn auch dem Irrtum zumindest vorübergehend Raum gegeben wird. Europas leidgeprüfte Bevölkerung verstand irgendwann, dass Krieg und Verfolgung immer nur der Ideologie und der Gier von Despoten entspringen. Das führte zur europäischen Aufklärung mit Goethe, Newton, Kant, Voltaire und anderen.

Fast alles entstand in Europa. Der Italiener Galileo Galilei hat das in Holland erfundene Fernrohr tauglich für die Astronomie gemacht. Der Blutkreislauf wurde in Europa entdeckt, sowie die Ei- und die Samenzelle. Die Blutgruppen, die moderne Chirurgie, die Dampfmaschine, der Benzinmotor, der Dieselmotor, die Geologie, die Paläontologie, die moderne Mathematik, alles kommt aus Europa. Es gibt nur wenige Neuerungen, die nicht europäischen Ursprungs sind, wie etwa die „arabischen“ Zahlen, die in Wahrheit aus Indien stammen. Es ist schwierig, grundsätzliche Neuerungen der Kulturgeschichte außerhalb von Europa zu finden. Das Schießpulver und der Kompass kommen aus dem Osten, aber das sind eher die berühmten Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Beethovens Neunte

Die europäische Kultur reicht sogar bis tief in die moderne Technik hinein. Als die Firmen Phillips und Sony in den Siebzigerjahren die CD entwickelten, entstand die Frage, wie groß die Scheibe werden soll. Der damalige Sony-Chef Norio Oga war ein ausgebildeter Sänger, und er liebte Beethoven. Er ordnete an, dass Beethovens 9. Symphonie auf eine Scheibe passen und diese gleichzeitig in der Tasche eines Herrenjacketts Platz finden muss. So entstand die CD mit 12 cm Durchmesser.

Die Kreativität auf dem Kontinent des grenzenlosen Ideenreichtums ist durch die Europäische Union in Gefahr geraten. Demnächst mehr dazu.

„Die europäische Kultur reicht sogar bis tief in die moderne Technik hinein.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.