Seit 95 Jahren wird in Österreich Muttertag gefeiert

Wissen / 12.05.2019 • 07:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Eigentlich sollte jeder Tag Muttertag sein. Doch dieser spezielle Sonntag bietet sich dafür an, wieder einmal „Danke“ zu sagen. APA

Der Muttertag geht auf die US-Frauenrechtlerin Ann Jarvis zurück, die 1908 einen „Allgemeinen Gedenktag an alle Mütter“ ausrief. Heute haben die Länder verschiedene Bräuche und Geschenke.

Wien Auf Initiative von Marianne Hainisch ist 1924 der Muttertag erstmals in Österreich begangen worden. Ihr Sohn Michael war ab 1920 erster Bundespräsident der Republik. Den meisten dürfte die Mutter des rot-weiß-roten Muttertags als Gründerin der heimischen Frauenbewegung ein Begriff sein. Hainisch forderte bereits 1870 die Errichtung von Realgymnasien für Mädchen und die Zulassung zum Studium.

In anderen Ländern hat der Muttertag eine bei weitem längere Geschichte – die anfangs noch nicht kommerziell war: 1644 wird in England erstmals ein „Mothering Day“ erwähnt, an dem alle Kinder und Enkelkinder sich bei den Eltern versammelten und feierten. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde er dort bereits im großen Rahmen begangen, bis er dann um 1900 in Amerika eingeführt wurde.

Die US-Frauenrechtlerin Ann Jarvis rief anlässlich des Todestags ihrer Mutter 1908 einen „General Memorial Day of all Mothers“ – einen „Allgemeinen Gedenktag an alle Mütter“ aus – und startete dafür eine groß angelegte Werbekampagne. Ein Jahr später wurde er in 45 amerikanischen Bundesstaaten offiziell begangen und 1914 zum beflaggten Staatsfeiertag erklärt.

Nach dem 1. Weltkrieg in Europa

In Europa setzte sich der „Muttertag“ jedoch erst nach dem Weltkrieg durch. In Deutschland war er 1923, in Österreich eben 1924 zum ersten Mal offiziell gefeiert worden. 1933 wurde der Muttertag von den Nationalsozialisten zum Feiertag erklärt und während der Nazi-Diktatur für eigene Blut- und Boden-Propaganda missbraucht.

Heute ist der Muttertag, der heuer am 12. Mai gefeiert wird, für zahlreiche Branchen eine willkommene Gelegenheit für gute Geschäfte: Die Gastronomie freut sich über die obligaten Ausflügler, während der Handel vor allem Süßigkeiten und Blumen über Männer und Kinder an die Frau bringt. Die größten Umsätze heimsen die Floristen ein.

Andere Länder, Geschenke und Bräuche

Bei uns werden am Muttertag Gedichte vorgetragen, selbst gebastelte Geschenke überreicht werden und die Kinder bereiten ausnahmsweise das Frühstück zu. Aber auch in anderen Ländern wird den Mamas gedacht, doch an anderen Kalendertagen, anderen Geschenken und Bräuchen.

In Äthiopien gibt es kein präzises Datum. Der Muttertag hängt laut Fleurop vom Beginn der Fruchtbarkeit bringenden Regensaison ab. Sobald im Oktober oder November die ersten Tropfen fallen, finden sich alle Kinder im Elternhaus ein und feiern mehrere Tage bei gutem Essen und Musik. Während sich die Mütter ihr Gesicht mit Butter einschmieren und tanzen, besingen die Männer die Familie.

Einen speziellen Muttertagskuchen wie in Frankreich kennen auch die Briten. Dort erhalten viele Frauen den sogenannten „Simnel Cake“ der auf die Geschwister Simon und Nell zurückgeht, die ihrer Mutter einen Kuchen schenken wollten. Leider wurden sie sich nicht einig, ob sie ihn kochen oder backen sollten – und taten schließlich beides. Heute besteht der „Simnel“ aus Früchtebiskuit und einer Marzipanschicht.

Neben dem modernen Muttertag im Mai gibt es in Indien auch das zehntägige Fest „Durga Puja“ im Oktober. Dieses ist der sowohl gütigen als auch strafenden Göttin Durga gewidmet. In Indonesien wird der Muttertag am 22. Dezember gefeiert. Er wurde 1959 als nationaler Feiertag eingeführt und soll die aktive Rolle der Mutter und Frau in der Familie, aber auch im Staat hervorheben. Entsprechend gibt es nicht nur Geschenke, sondern auch Seminare über die Entwicklung der Frau. Dies soll ihnen Lust machen, ihren Platz am Herd um einen beruflichen zu erweitern.

In Indien wird neben dem Muttertag auch das zehntägige Fest "Durga Puja" im Oktober gefeiert. AFP
In Indien wird neben dem Muttertag auch das zehntägige Fest „Durga Puja“ im Oktober gefeiert. AFP

In Japan wurde der Muttertag nach US-Vorbild während des Zweiten Weltkrieges verboten, 1949 aber wieder aufgenommen, wobei Zeichenwettbewerbe ausgeschrieben wurden. Kinder sollten ihre Mutter abbilden, die besten Werke „tourten“ anschließend durchs ganze Land. Heute wird ähnlich wie bei uns gefeiert.

Die Musik steht in Mexiko im Vordergrund: Kinder und andere Familienmitglieder singen der Mutter Lieder vor oder mieten sogar eine Mariachi-Band, um ihr ein Ständchen zu bringen. In Panama fällt der Muttertag auf „Maria Empfängnis“. Dies kommt daher, da die ersten Christen den Kult, der den Göttinnen Rhea, Kybele oder Isis galt, in einen Muttergotteskult umwandelten. Und Panama fand, der 8. Dezember sei ein gutes Datum, um auch den Muttertag zu feiern.

Aufpassen heißt es in Serbien: Dort schleichen sich die Kinder ins Schlafzimmer ihrer Mutter und binden ihr die Füße zusammen. Ihre Freiheit muss sich die „Gefangene“ mit Süßigkeiten erkaufen. APA