Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Die Mondlandefähre

Wissen / 10.08.2019 • 15:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Grumman Aerospace Corporation war eine erfolgreiche Flugzeugfirma. Allgemein bekannt wurde Grumman durch das Kampfflugzeug „F-14 Tomcat“. Das war der wahre Hauptdarsteller im Blockbuster „Topgun“ mit Hollywood-Star Tom Cruise. Es handelt sich um ein überschallschnelles, mit Schwenkflügeln ausgestattetes zweisitziges Kampfflugzeug. Ihre Aufgabe bei der US Navy war die eines Luftüberlegenheitsjägers. Sie war in allen Golfkriegen im Einsatz. Grumman bekam nach dem Ende des kalten Krieges finanzielle Schwierigkeiten und fusionierte zu Northrop Grumman.

Das LEM

Weniger bekannt ist, dass Grumman die Mondlandefähre für die NASA konstruierte und baute. Ursprünglich wollte Wernher von Braun alle Mondflugmodule in einer Erdumlaufbahn Stück für Stück zusammenbauen lassen, aber der junge NASA-Techniker Thomas Kelly hatte eine andere Idee. Er befürwortete einen Direktflug mit einer Apollokapsel und einer Landefähre. Das sei technisch einfacher und billiger, meinte er. Die Diskussionen darüber dauerten, doch am Ende ließen sich die NASA-Direktoren und Wernher von Braun überzeugen. Das „Lunar Excursion Module“ (LEM) wurde bei Grumman in Auftrag gegeben.

„Grumman bekam nach dem Ende des kalten Krieges finanzielle Schwierigkeiten und fusionierte zu Northrop Grumman.“

Die NASA-Ingenieure testeten das erste Gerät in einer Vakuumkammer. Es war ein Desaster, denn die Schweißnähte waren nicht dicht. Dieser Fehler hätte die Astronauten das Leben gekostet. Grumman war gezwungen, die Fähre von Grund auf zu überarbeiten. Während die Trägerrakete Saturn V und die Apollokapsel erfolgreich getestet worden waren, drohte der geplante Mondlandetermin wegen des unfertigen LEM zu platzen.

Grumman schaffte es schließlich, ein funktionstüchtiges Modell zu liefern, das perfekt funktionierte und der Mannschaft von Apollo 13 sogar das Leben rettete. Die Abstiegsstufe hatte eine Gesamtmasse von immerhin 10 Tonnen. Als Treibstoff wurde „Aerozin“ verwendet, als Oxidationsmittel kein flüssiger Sauerstoff, sondern eine Stickstoff-Sauerstoffverbindung. Die NASA-Techniker entschieden sich für diese Lösung, weil das Gemisch zwar gefährlich war, dafür aber selbstständig zündete. Der untere Teil der Landefähre diente als Startplattform für die Aufstiegsstufe. Diese hatte, einschließlich der beiden Astronauten und des Mondgesteins, ein Maximalgewicht von 4,7 Tonnen.

Das Haupttriebwerk und die 16 Steuerdüsen brachten die Mondlandefähre in wenigen Minuten in die Mondumlaufbahn zum Apollo-Kommandomodul. Die leeren Aufstiegsstufen wurden später in eine Sonnenumlaufbahn geschossen oder auf dem Mond zum Absturz gebracht.

(Das traditionelle Sommerthema des VN-Scheinwerfers lautet in diesem Jahr „50 Jahre Mondlandung“.)

Mag. Dr. Rudolf Öller ist Biologe und Lehrbeauftragter des Roten Kreuzes.