Wie man Hitzewellen übersteht

11.08.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zwischen Außen- und Innengerät zirkuliert das Kältemittel in dünnen Kupferrohren, die absolut dicht angeschlossen werden müssen. APA

2. Teil der Kühlen-Serie: Die Klimaanlage.

Schwarzach Eine Klimaanlage befördert Wärme aus dem Haus ins Freie. Die Wärme ist dabei an einen Stoff gebunden, Wärmestrom heißt Materialstrom. Bei der letzte Woche besprochenen Monoblockanlage ist das Material Luft, bei der „Splitanlage“ ist es eine Flüssigkeit, die über Rohrleitungen zirkuliert. Der heiße ist vom kalten Teil der Maschine räumlich getrennt. Innen steht der Verdampfer, in dem ein Kältemittel bei niedrigem Druck verdampft und sich dabei abkühlt. Dem Zimmer wird Wärme entzogen. Der Kompressor saugt den Kältemitteldampf an und pumpt ihn unter hohem Druck nach draußen, wo er im Kondensator (Verflüssiger) wieder flüssig wird und die Wärme an die Außenluft abgibt. Das geht, weil das flüssige Kältemittel im Außenteil noch heißer ist als die Luft. Also eine Wärmepumpe. Die Geräte sind zwei bis drei Mal effizienter als die Monoblocks!

Das Problem ist die Montage. Zwischen Außen- und Innengerät zirkuliert das Kältemittel in dünnen Kupferrohren, die absolut dicht angeschlossen werden müssen. Der Laie darf das nicht, nur ein Fachbetrieb. Warum? Beim geringsten Leck verdampft das Kältemittel restlos in die Atmosphäre, es ist 2000 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Der Inhalt eines Splitgerätes entspricht der Schadwirkung von 11.000 Kilometer Autofahrt. Nun werden solche Splitgeräte aber auch im Baumarkt verkauft. Sie sind schon mit Kältemittel gefüllt, auch die Verbindungsrohre sind vorhanden, anschließen könnte man sie mit Schraubenschlüsseln und etwas handwerklichem Geschick – was dem Laien aber verboten ist. Das macht die Sache gleich deutlich teurer als den Monoblock. Es erlischt die Gewährleistung, wenn man es selber macht! Dazu kommt die Notwendigkeit, für die Kupferrohre ein Loch durch die Hauswand zu bohren, was spezielle Werkzeuge erfordert. Man sollte mit einer Bohrmaschine mehr gemacht haben als Schraublöcher für ein Holzregal.

Die Klimageräteindustrie weiß um die psychologischen Hemmnisse und hat eine Innovation auf den Markt gebracht: die mobile Splitanlage. Sie fährt auf Rollen, Kältemittelrohre, Kondensatanleitung und Elektrokabel sind in einen Schlauch integriert, der am einen Ende fix mit dem Außenteil verbunden ist. Innen wird nicht mit Drehmomentschlüsseln(!) hantiert, sondern die Rohrenden werden mithilfe einer raffitückischen Hebelkonstruktion ineinander gepresst, spezielle Ventile öffnen dann selbsttätig. Darf man laut Bedienungsanleitung auch selber machen. Wer Löcher bohren möchte, soll das tun, nötig ist es nicht, es genügt, den Verbindungsschlauch (er ist flach oval) durch einen Fensterspalt zu führen. Das System ist allerdings auch das teuerste von allen. Um die 2000 Euro. Christian Mähr