Die Tage des Hundes

Wissen / 23.08.2019 • 09:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sirius selbst hat die doppelte Masse der Sonne, ist 10.000 Grad heiß und acht Lichtjahre von der Erde entfernt. fotolia
Sirius selbst hat die doppelte Masse der Sonne, ist 10.000 Grad heiß und acht Lichtjahre von der Erde entfernt. fotolia

Warum sie nicht mehr so heiß sind.

Schwarzach Vielleicht liegt es ja daran, dass heute viele Menschen nur noch nach unten auf ein Display starren, statt nach oben zum Sternenhimmel; jedenfalls häufen sich seltsame Aussagen wie die über die Hundstage, die ich neulich lesen durfte. Die hätten ihren Namen vom „Hundsstern“ Sirius, hieß es da, der eben zu den Hundstagen „gemeinsam mit der Sonne aufgehe“. Bitte: Ein Stern, der gemeinsam mit der Sonne aufgeht, bleibt unsichtbar, weil sie ihn überstrahlt. Da nützt auch nichts, dass der Sirius der hellste Stern am Himmel ist, die Sonne ist zehn Milliarden Mal heller. Gemeint ist der sogenannte „heliakische“ Aufgang des Sirius. Damit meint man den Tag, an dem der Sirius das erste Mal gerade eben über dem Osthorizont in der Morgendämmerung sichtbar wird, bevor er von der Sonne überstrahlt wird, die kurz danach aufgeht. Ab da wird der Abstand zur Sonne immer größer, in einem Monat geht er schon zwei Stunden vor der Sonne auf. „Hundsstern“ heißt der Sirius nach dem Sternbild „Großer Hund“. Der Sirius braucht wie jeder andere Stern nicht 24 Stunden für eine Umrundung des Himmelsgewölbes, sondern knapp vier Minuten weniger als einen vollen Tag. Das heißt, er geht jeden Tag vier Minuten früher auf. Den Sirius können Sie am besten an einem Winterabend sehen, da geht er in der Abenddämmerung auf.

„Heliakischer Aufgang“

Der „heliakischen Aufgang“ war für die ägyptischen Priester der Beginn des neuen Jahres. Das Datum bot sich an, weil der Nil jedes Jahr zu dieser Zeit über die Ufer trat – mit dem Wetter in unseren Breiten hätten sie sich schwergetan; wir sehen ja oft nicht einmal die Sonne aufgehen, geschweige denn den Sirius. Der Sirius und die Nilflut haben ca. 2000 v. Chr. zusammengepasst, da passierte beides bei Sommerbeginn. Später verschob sich die erste Morgensichtbarkeit des Sirius im Jahr immer mehr nach hinten. Grund dafür ist die Präzession der Erdachse. Die steht nicht fest im Raum, sondern beschreibt in 26.000 Jahren einen Kreis wie ein sich drehender Kreisel – aus diesem Grund bleibt auch der Himmelsnordpol, um den alle Sterne kreisen, nicht an der heutigen Stelle. Der Polarstern, der zufällig dort steht, wird seine hervorragende Stellung verlieren. Zur Römerzeit lag der heliakische Aufgang um den 1. August herum, von dort stammt auch die Bezeichnung Hundstage für die heißeste Zeit des Jahres. Heutzutage wird der Sirius frühestens ab 30. August sichtbar, ist also ein Zeichen für den Herbst. Die heißesten Tage liegen dann auch hinter uns – also haben die „Hundstage“ überhaupt keine wettertechnische Bedeutung mehr. Sirius selbst hat die doppelte Masse der Sonne, ist 10.000 Grad heiß und acht Lichtjahre von der Erde entfernt. Einer der schönsten Sterne am Winterhimmel!