Was es mit dem Kometen C/2019 Q4 auf sich hat

Wissen / 22.09.2019 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Besondere an C/2019 Q4 ist seine Bahn. Reuters
Das Besondere an C/2019 Q4 ist seine Bahn. Reuters

Wird Komet C/2019 Q4 seine Geheimnisse preisgeben?

Schwarzach Eigentlich sollte an dieser Stelle ein anderes Thema stehen, aber der Kosmos folgt eigenen Gesetzen, da kann ich nichts machen. Von dort, aus dem Kosmos nämlich, kam vor Kurzem ein Besucher mit dem sperrigen Namen C/2019 Q4 (Borisov) in unser Sonnensystem. Vielleicht erinnert sich mancher noch an „Oumuamua“, den ich an dieser Stelle vor sieben Monaten gewürdigt habe; dieser Komet hat 2017 das Sonnensystem durchquert und war das erste nachweisbar interstellare Objekt, das je entdeckt wurde, mit C/2019 Q4 kommt nun nur zwei Jahre später schon das der zweite Besucher von fremden Sternen zu uns. Kann das Zufall sein? Die Verschwörungstheoretiker sind sicher schon am Ausfeilen passender Horrorvisionen einer bevorstehenden Alieninvasion. Deutlich realistischer ist, was wir bis jetzt über den Kometen wissen: Entdeckt wurde er vor drei Wochen vom ukrainischen Amateurastronomen Gennadi Borisov mit einem Spiegelfernrohr von 65 Zentimeter Öffnung, das der Betreffende selbst(!) gebaut hatte. Der Komet hat Größe 18, wobei diese Zahlen das Gegenteil bedeuten, was man vermuten würde: Je größer die Zahl, desto lichtschwächer erscheint das Objekt. Das Objekt ist hundert Millionen Mal weniger hell als der hellste Stern am Himmel, der Sirius.

Ellipse

Na schön, Kometen gibt es viele. Was ist das Besondere an C/2019 Q4? Seine Bahn. Objekte im Schwerfeld der Sonne können vier Typen von Bahnen beschreiben: Kreis, Ellipse, Parabel oder Hyperbel. Kreis und Parabel sind Grenzfälle, die praktisch nie vorkommen – auch die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist kein Kreis, sondern eine Ellipse. Wovon hängt die Bahnform ab? Von der Geschwindigkeit. Die wird durch das Gravitationsgesetz vorgegeben. Für jeden Abstand von der Sonne existiert eine Kreisbahngeschwindigkeit. Ist ein Objekt genauso schnell, läuft es im Kreis um die Sonne; ist es nur ein winziges Bisschen schneller, „verbiegt“ sich der Kreis zu einer Ellipse, die mit steigender Geschwindigkeit immer länglicher wird. Bei einer zweiten Grenzgeschwindigkeit „reißt“ die Ellipse auf und wird zur Parabel, noch schneller zur Hyperbel. Beides sind keine geschlossenen Kurven.

Das Objekt kommt aus dem „Unendlichen“ und kehrt dorthin zurück. Unendlich ist hier nur mathematisch gemeint, in Wahrheit kommt C/2019 Q4 sehr wohl von irgendwo her, nämlich von einem anderen Stern! Denn er hat momentan 150.000 kmh, was bedeutet, dass er nicht an die Schwerkraft der Sonne gebunden ist, noch jemals war: Er ist zu schnell und wird das Sonnensystem wieder verlassen. Bis dahin kann er allerdings mit Großteleskopen noch Monate lang erforscht werden. Anders als bei Oumuamua, der zur Zeit seiner Entdeckung schon wieder auf dem Weg nach draußen war. Wohin auch immer . . . Christian Mähr

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