Jubiläum – das erste Auto

Wissen / 04.10.2019 • 13:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein Vierteljahrtausend Fahren ohne Zugtier.

Schwarzach Wann fuhr das erste Auto? Darauf antworten die meisten: vor etwas über 100 Jahren. Falsch! Das erste Automobil (wörtlich: „Selbstbeweger“) feierte heuer seinen 250. Geburtstag. Ja, richtig gelesen! Im Jahre 1769, zwanzig Jahre vor der französischen Revolution, erfand der Artillerieoffizier Joseph Nicolas Cugnot, den ersten Selbstfahrer – natürlich auf Dampfbasis. Dampf war sozusagen der „neueste heiße Scheiß“ des 18. Jahrhunderts, schon 1712 hatte Thomas Newcomen die erste funktionierende Dampfmaschine erfunden, die dazu diente, Wasser aus Bergwerken abzupumpen. Bis zu Cugnot war aber noch niemand auf die Idee gekommen, ein Fahrzeug mit Dampfkraft anzutreiben. Was brachte ihn darauf? Natürlich das Militär. Der französische Kriegsminister Choiseul beauftragte ihn, eine Zugmaschine für die Artillerie zu entwerfen. An Personenbeförderung war nicht gedacht. Der Zweck bedingte auch das seltsame Aussehen des „fardier à vapeur“ (Dampfwagen) genannte Gefährt, das heute ungläubiges Staunen hervorruft. Es sah so gar nicht aus wie ein Auto. Sieben Meter lang, zwei breit und hoch. Der runde Dampfkessel mit darunter liegender Feuerung hing ganz vorne in der Luft, das musste auch so sein, denn er diente als Gegengewicht der schweren Kanone, die hinter dem Fahrersitz untergebracht war.

Das erste Automobil war also ein Lkw. Höchstgeschwindigkeit: 4 kmh. Der Antrieb erfolgte wie bei Newcomen durch zwei unten offene Zylinder, die gegenläufig arbeiteten; eine komplizierte mechanische Steuerung bewirkte, dass der eine Kolben gerade oben, wenn der andere unten war. Das Grundübel der Nwecomen-Dampfmaschine, die ungenügende Kondensation des Abdampfes, hatte Cugnot beibehalten. Im selben Jahr, 1769, erhielt der Schotte James Watt, ein Patent auf seine verbesserte Dampfmaschine, die den Abdampf in einem eigenen Bauteil, dem Kondensator, verflüssigte, das verdoppelte den Wirkungsgrad. Cugnots Wagen musste alle Viertelstunden stehen bleiben, um Wasser nachzufüllen und neuen Dampf zu erzeugen. Man hätte das Ding zweifellos verbessern können, aber Cugnots Förderer, der Kriegsminister, fiel bei König Ludwig XV. in Ungnade, das war auch das Aus für den „fardier“. Er verschwand für Jahrzehnte im Arsenal der französischen Armee. Cugnot ging nach Brüssel, erst Napoleon holte ihn nach Frankreich zurück, wo der 1804 verstarb. – Wir feiern heuer also nicht nur 250 Jahre Auto, sondern mit Watts Patent auch 250 Jahre jene Dampfmaschine, die in modifizierter Form (Dampfturbine) noch heute den Großteil der elektrischen Energie bereitstellt. – Vielleicht liegt daran auch, dass es so schwer fällt, sich von Brennstoffen zu verabschieden – immer noch heißt einer, der ein Auto lenkt – Chauffeur, französisch für „Heizer“.