Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Nobelpreise 2019: Physik

Wissen / 24.10.2019 • 17:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Planeten unseres Sonnensystems kennen wir, denn sie sind – in kosmischen Maßstäben – nicht weit entfernt. Nehmen wir an, wir bauen ein Minimodell eines Sonnensystems in der Größe einer DVD, dann wäre die Sonne in der Mitte, die Erdbahn befände sich noch innerhalb des Lochs in der Mitte, und der Pluto wäre am Außenrand. Dass dem Pluto die Planetenlizenz inzwischen entzogen wurde, wollen wir jetzt nicht weiter besprechen. Wir werfen nun alle fünfzig bis hundert Meter eine DVD irgendwo hin, und das so lange, bis die gesamte Landmasse von Europa und Asien mit 100 Milliarden DVDs zugemüllt ist, dann haben wir ein maßstabgetreues Modell unserer Milchstraße.

Exoplaneten

Bis in die Mitte der Neunzigerjahre wussten die Astronomen nicht, ob unser Sonnensystem mit seinen Planeten eine Ausnahme oder der Regelfall ist. Heute wissen wir, dass die meisten Sonnen einen oder mehrere Planeten haben. 1995 gelang es den Schweizer Astronomen Michel Mayor (* 1942) und Didier Queloz (* 1966) an der Universität Genf den ersten „Exoplaneten“ zu entdecken, der um eine 50 Lichtjahre entfernte Sonne kreist. In unserem erwähnten DVD-Modell wäre das eine Entfernung von ungefähr 4,5 Kilometern. Die entdeckte Sonne hieß „51 Pegasi“ und wurde später in „Helvetios“ umbenannt, der Planet heißt „Dimidium“ und umkreist Helvetios in nur vier Tagen. 2015 entdeckte Didier Queloz den ersten erdähnlichen Planeten: Kepler-452b. Es gibt inzwischen verschiedene Methoden, Exoplaneten aufzuspüren, wie etwa die Transitmethode, die astrometrische Methode und andere. Aktuell (Oktober 2019) sind 4118 Exoplaneten in 3063 Sonnensystemen bekannt, Tendenz steigend. Seit wir das wissen, ist die Wahrscheinlichkeit, mit der wir die Existenz außerirdischen Lebens vermuten dürfen, deutlich gestiegen.

Urknall

Neben Mayor und Queloz hat auch der Kanadier James Peebles (* 1935) den diesjährigen Physiknobelpreis bekommen. Peebles ist Professor an der New Yorker Princeton University. Er hat noch vor der Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung durch Arno Penzias und Robert Wilson (Physiknobelpreisträger 1978) die Existenz dieses „Echo des Urknalls“ vorausgesagt. Im Rahmen seiner Forschungen sagte er auch das Vorhandensein der dunklen Materie voraus. Erst jetzt, quasi mit vierzigjähriger Verspätung, erhielt auch Peebles den Nobelpreis.

Der Kanadier, nach dem sogar ein Zwergplanet in unserem Sonnensystem benannt ist (18242 Peebles), ist genauso kauzig, wie man sich einen erfolgreichen Forscher gerne vorstellt. Als er von der Zuteilung des Nobelpreises erfuhr, meinte er sinngemäß, das Komitee müsse wohl den Unsinn übersehen haben, den er schon hie und da publiziert hat.

„Heute wissen wir, dass die meisten Sonnen einen oder mehrere Planeten haben.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.