Planetenüberfluss?

Wissen / 24.10.2019 • 17:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Sternbild des Pegasus in einer Darstellung aus einem Lehrbuch von Alexander Jamieson aus dem Jahr 1822.
Das Sternbild des Pegasus in einer Darstellung aus einem Lehrbuch von Alexander Jamieson aus dem Jahr 1822.

Schon über 4000 Exoplaneten bekannt.

Schwarzach Früher gab es neun Planeten, die man mit einem Merkvers auswendig lernen konnte, 2006 wurde Pluto der Planetenstatus aberkannt; aber schon 1995 endeckten Schweizer Forscher den ersten Planeten, der nicht um die Sonne kreist, sondern um einen anderen Stern. Heuer erhielten sie dafür den Nobelpreis! Der Stern heißt 51 Pegasi und ist 40 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Nummer stammt von John Flamsteed, der schon Anfang des 18. Jahrhunderts die Sterne eines Sternbildes durchnummeriert hat. Pegasus ist momentan leicht am Abendhimmel zu erkennen: Ein auf der Spitze stehendes Viereck heller Sterne Richtung Süden, die „Vorrangtafel“ am Herbsthimmel. Der entthronte Pluto ist sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, 51 Pegasi ist 63.000 mal weiter weg. Schrumpft man der besseren Übersicht wegen das Sonnensystem um den Faktor eine Billion, dann ist Pluto sechs Meter von der stecknadelkopfwinzigen Sonne entfernt – aber 51 Pegasi liegt etwa bei Linz.

Wie kann man über diese Wahnsinnsdistanz einen Planeten feststellen? Man sieht ihn natürlich nicht. Man sieht nur das Licht seiner Sonne, das im Spektrum regelmäßige Verschiebungen zeigt – einmal ist es ein bisschen röter, später ein bisschen blauer, dann wieder röter. Liegt einfach daran, dass der Stern sich von uns weg, dann wieder auf uns zu bewegt. Warum macht er das? Der Stern eiert um einen Punkt, denn da gibt es eben noch einen zweiten Körper, der denselben Punkt umkreist. Das ist eben der Planet. So verrückt es sich anhört: sowas kann man messen. Niemand hat den Planeten je gesehen, seine Existenz wird nur aus der Analyse des Lichts geschlossen, das von seiner Sonne ausgeht.

Jagd nach Exoplaneten

Nach der erst Entdeckung gab es keine Halten, immer mehr Forschungsgruppen nahmen die Jagd nach Exoplaneten auf. Inzwischen kennt man über 4000 Exoplaneten, jede Woche kommen ein paar dazu. Allerdings sind die meisten merkwürdige Gesellen: „Heiße Jupiter“, Gasriesen wie unser Jupiter, die ihren Stern allerdings in nur ein paar Millionen Kilometer umkreisen und auf der Sonnenseite über 1000 Grad heiß sind. Wieso sie dort sind, wo sie sind, und wie lang sie es dort aushalten, weiß niemand. Dann gibt es „Supererden“, ein paar mal schwerer als unser Heimatplanet, sie bestehen aus Gestein und gleichen der Erde, sowie „Mini-Neptune“, Gasplaneten, die höchstens doppelt so groß sind wie die Erde. Nichts davon findet man in unserem Sonnensystem, bisher hat man aber keine „zweite Erde“ gefunden. Die ist der heilige Gral der Planetenforschung, gibt vielleicht einen weiteren Nobelpreis … Jedenfalls sind Planeten in der der Milchstraße nichts Seltenes, Schätzungen sprechen sogar jedem zweiten Stern einen oder mehrere Begleiter zu, das wären dann mehrere hundert Milliarden. Dass die alle unbelebte Brocken sein sollen, fällt schwer zu glauben . . .