Dekarbonisierung

Wissen / 29.11.2019 • 09:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine langsamere Form wäre die Speicherung in Biomasse, zum Beispiel Aufforstungsprogramme mit schnell wachsenden Bäumen.
Eine langsamere Form wäre die Speicherung in Biomasse, zum Beispiel Aufforstungsprogramme mit schnell wachsenden Bäumen.

Bekommt man den Kohlenstoff aus der Atmosphäre?

Schwarzach Dekarbonisierung: Umstellung von Prozessen in Richtung weniger Kohlenstoffverbrauch, damit am Ende weniger CO2 herauskommt. Weniger – nicht nichts! Denn alle technischen Geräte, die man dazu verwendet, erzeugen schon bei ihrer Herstellung Kohlendioxid, was auch nicht verhindert werden kann, weil z.B. Solarzellen eben jetzt erzeugt werden. Wenn man Energie braucht, zündet man im Grunde nur das ein oder andere Feuerchen an; diese CO2-Last muss die Zelle dann erst abarbeiten. – Bei diesen Verfahren geht es darum, künftige Emissionen zu vermeiden, an dem Kohlendioxid, das schon da ist, ändert das natürlich nichts. Bis jetzt waren die erreichten Reduktionen bescheiden. Oder nicht vorhanden. Es geht halt alles nicht so schnell, wie das klimabesorgte Menschen gern hätten. Schlimm wegen der berühmten „Kipp-Punkte“, dahinter gibt es nichtlineare Effekte – die vornehme Umschreibung für ein Explosionen. Das ist unerfreulich. Wenn schon das Zurückfahren der Emissionen so schwierig ist, warum versucht man nicht, das schon vorhandene Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre herauszunehmen? Solche Verfahren allein verdienen nämlich den Titel Dekarbonisierung – deutsch: Entkohlenstoffung. Um Prinzip geht das durch hohen Energieaufwand (kein Problem mit Solarenergie), wenn man einen Weg findet, das irgendwie absorbierte CO2 endzulagern. Beim Thema Endlager läuten die Alarmglocken, das funktioniert bei Atommüll bis heute nicht, Pessimisten sagen: wird auch nie. Die Idee, das Gas in alten Erdgaslagerstätten zu verpressen, hat wenig Charme.

Die Erde ist ein unruhiger Planet, Erdbeben könnten das Kohlendioxid von Jahrzehnten auf einen Schlag freisetzen, was zu Millionen Toten führen würde. Eine langsamere Form wäre die Speicherung in Biomasse. Algenzucht in künstlichen Seen oder weltweite gewaltige Aufforstungsprogramme mit schnell wachsenden Bäumen, Pflanzen binden Kohlendioxid. Die so erzeugten Algen oder Bäume müsste man dann ernten. Nun dürfte man sie aber nicht nutzen! Die Biomasse darf nicht wieder oxidieren, weil dann das CO2 wieder frei wird. Man muss das Holz an einem Ort unterbringen, wo es nicht verrotten kann (verrotten = langsames verbrennen). Zum Beispiel die Arktis.

In der Atmosphäre befinden sich drei Billionen Tonnen CO2, das entspricht rund 0,04 Volumenprozent oder 400 ppm. Ein ppm sind rund 2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, entsprechend acht Milliarden Festmeter Holz, das ist der jährliche Zuwachs von acht Millionen Quadratkilometer, 60% der Fläche von ganz Sibirien. Oder der siebenfache Holzvorrat Österreichs. Schlägerung und Transport müssten natürlich CO2 – frei erfolgen … das alles für 1 ppm Reduktion! Vielleicht zur Klimarettung doch besser die Emissionen zurückfahren – ist sicher die leichtere Übung.