Das berühmte Vitamin C

Wissen / 07.12.2019 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Menschenaffen können kein Vitamin C herstellen, sie müssen es mit der Nahrung aufnehmen. AFP

Warum es doch auf die Menge ankommt . . .

Schwarzach Jetzt im Winter nehmen viele Menschen Vitamin C zu sich, Tabletten oder als reine Substanz Ascorbinsäure. Der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling nahm selber jeden Tag 18 Gramm Ascorbinsäure ein und ist immerhin 93 Jahre alt geworden. Vitamin C wirkt als sogenanntes Coenzym: ein Hilfsstoff für andere Enzyme, ohne die unsere Lebensvorgänge unmöglich wären. Damit ist Vitamin C der Einschaltknopf für verschiedene Enzyme, die bei der Bewältigung von Stress, bei den Nervenfunktionen, bei der Energiebildung, beim Gewebeaufbau und beim Abbau bestimmter Aminosäuren eine Rolle spielen. Vitamin C macht auch sogenannte freie Radikale unschädlich. Die entstehen leider als unerwünschte Nebenprodukte, sie oxidieren sozusagen alles, was sie in die Finger kriegen – und nachher ist es kaputt. Vitamin C wirft sich hier in die Bresche, lässt sich selber vom Radikal oxidieren – und schützt auf diese Weise das angegriffene Ziel, z.B. ein Enzym. Wie viel soll man nehmen? Ein Richtwert sind 75 Milligramm Vitamin C pro Tag, die sind schon in einem einzigen Apfel enthalten. Mit null Milligramm kommt es zu Skorbut, einer Krankheit, an der früher besonders Seeleute litten, die sich nur von Zwieback und Salzfleisch ernährten. Linus Pauling meinte allerdings, die empfohlenen Mengen seien viel zu niedrig: Schließlich stellen die meisten Tiere Vitamin C selber her – in erstaunlichen Mengen. Bei einer Ziege, umgerechnet auf 80 Kilo, wären das z. B. 12 Gramm. Pro Tag! Wieso macht sich der Organismus diese Mühe, wenn ein Tausendstel genügen würde?

Vitamin-C-Fabrik

Menschen, Menschenaffen, ein paar Vögel und Fische können kein Vitamin C herstellen, sie müssen es mit der Nahrung aufnehmen – mit der Betonung auf müssen. Von manchen Affen ist bekannt, dass sie bei ihrer normalen Ernährung täglich mehrere Gramm einnehmen, nicht Milligramm. Bei den Lebewesen ohne eigene Vitamin-C-Fabrik liegt das am Fehlen eines einzigen Enzyms, der L-Gulonolactonoxidase, schuld ist eine Mutation im Erbgut vor Millionen Jahren. Ein letaler DNA-Fehler war es offenbar nicht, wir leben immer noch, die Affen auch. Es könnte aber so sein: Fürs Überleben reichen 75 Milligramm, für gute Gesundheit sollten es vielleicht doch ein paar Gramm sein. Ascorbinsäure lässt sich sehr leicht oxidieren wie reduzieren; sie gibt leicht Elektronen ab und nimmt ebenso einfach welche auf – je nachdem, welches andere Molekül gerade in der Nähe ist und Elektronen aufnehmen oder abgeben will. Eine Art Schmieröl für die reibungslose biochemische Funktion des ganzen Werkls. So kommt es auf eine ausreichende Konzentration des Vitamins an – ohne dass die Substanz selber dauerhaft in Reaktionen eingreift. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „Redoxpuffer“. Überdosierung von Vitamin C? Soll bei Menschen mit Nierenproblemen vorkommen. Christian Mähr

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