Atmen und der Klimawandel

Wissen / 27.12.2019 • 11:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Österreich emittiert rund 79 Millionen Tonnen CO2.VN/HB
Österreich emittiert rund 79 Millionen Tonnen CO2.VN/HB

Macht Luftholen das Klima wärmer?

Schwarzach In Zeiten der Klimakrise wird der ökologische Fußabdruck immer wichtiger. Dabei darf man sich nicht auf das Offensichtliche beschränken, Autos, Flugzeuge, Heizanlagen und so weiter. Gefahr lauert auch, wo man es nicht vermuten würde: Im Internet. Wenn das Internet ein Land wäre, war zu lesen, wäre es unter den Top 5 der größten Stromverbraucher des Planeten! Warum? Weil das alles Strom braucht, Riesenmengen davon, die Computer daheim, die Handys, die Server mit ihren Riesenkühlanlagen. – Die größte Gruppe von Treibhausgasemittenten hat man bisher allerdings übersehen. Das sind die Atmer. Leute, die atmen. Also wir alle, die Menschheit an sich.

Treibhausgas

Jeder Mensch erzeugt in 24 Stunden 870 Gramm reines Kohlendioxid. Dieselbe Menge emittiert ein Auto, wenn es 5 Kilometer fährt; 870 Gramm nur im Zustand der Ruhe, wenn der Mensch also 24 Stunden im Sessel sitzt. Bei jeder körperlichen Aktivität steigt der Ausstoß beträchtlich an. Mountainbiken, Joggen, ja, schon schlichtes Spazie­rengehen reichert die Atmosphäre mit einem gefährlichen Treibhausgas an, das muss man sich einmal klarmachen. Man darf nicht vergessen: geatmet wird ununterbrochen! Jede Minute, jede Stunde, den lieben langen Tag, ohne Pause, jahraus, jahrein, atmen wir vor uns hin. In 80 Jahren summiert sich das auf 25 Tonnen Kohlendioxid. Mit diesem Ausstoß könnte man 146.000 Kilometer Autofahren, dreieinhalb Mal um die Welt! Alle Österreicher zusammen pusten pro Jahr unfassbare 2,8 Millionen Tonnen des schädlichen Gases in die Luft, rund 3,5% vom Gesamtausstoß! Aber bis jetzt hat natürlich niemand diese Rechnung aufgestellt. Österreich emittiert rund 79 Millionen Tonnen CO2. Das nationale Emissionsreduktionsziel: bis 2030 40% weniger als 1990, das wären dann 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger, das ist der Atemausstoß von 75 Millionen Menschen pro Jahr; wenn also irgendwo 75 Millionen Menschen aufhören täten zu atmen, jedes Jahr, bräuchten wir in Österreich überhaupt nichts zu ändern und könnten trotzdem das unser Klimaziel erreichen. – Ein Albtraum! Stimmt das überhaupt?

Natürlich nicht – Entwarnung bringt die Biochemie: Das CO2 in der Atemluft stammt ja selber aus der Atmosphäre, wo es von Pflanzen zum Aufbau ihrer Biomasse entnommen wurde, jener Biomasse, die wir essen. Wir geben das Kohlendioxid also nur zurück. Klimaneutral atmen wir allerdings nur, wenn kein Gramm Kunstdünger und kein Tropfen Diesel bei der Produktion der Nahrungsmittel verbraucht wurde – also für die Landwirtschaft des Mittelalters. Die könnte uns allerdings nicht alle ernähren, nicht annährend. Für uns Heutige ergibt sich bei „normalem“ Essen ein CO2-Überschuss. Weil wir atmen, weil wir essen, weil wir leben. Kann man durch viele Maßnahmen kompensieren, keine Frage. Sonst sind wir zu viele …