VN-Wissen: Neue Nachbarn

Wissen / 19.01.2020 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gesucht wurde mit einem Spezialteleskop nach Asteroiden, Teegarden ging zufällig ins Netz. REUTERS

Ein Kandidat für intelligentes Leben?

Schwarzach Im Jahr 2003 wurde ein neuer Stern entdeckt. Er bekam eine Katalogbezeichnung, die man sich nicht merken kann; bekannt wurde er als „Teegardens Stern“, benannt nach dem Leiter des Forschungsteams. Teegardens Stern ist nur 12.5 Lichtjahre von uns entfernt, einer der nächsten Nachbarn der Sonne – und da dauert es bis ins 21. Jahrhundert, bis wir merken, dass er überhaupt da ist?

Er ist halt sehr klein: Ein Zehntel des Durchmessers unserer Sonne und nur etwa halb so heiß, insgesamt 2500 Mal lichtschwächer als die Sonne, so etwas kann man schon übersehen. Gesucht wurde mit einem Spezialteleskop nach Asteroiden, Teegarden ging zufällig ins Netz, er ist ein kühler, roter Zwergstern, etwas so groß wie der Planet Jupiter. Sterne dieses Typs sind die zahlreichsten in der Milchstraße, sie sind zehn Mal häufiger als alle anderen, mit freiem Auge können wir keinen einzigen davon sehen. Weil Teegardens Stern so klein ist, wird er von etwaigen Planeten, die ihn umkreisen, ordentlich herumgezerrt, weshalb er um seinen Standort „eiert“; einmal läuft er ein bisschen auf uns zu, dann wieder von uns weg, am Licht kann man das mit einem geeigneten Messgerät erkennen und ausrechnen, was diese Bewegung auslöst. Und siehe da: Mit dieser „Radialgeschwindigkeitsmethode“ wurden im letzten Jahr bei Teegardens Stern zwei Planeten entdeckt.

Beide sind nur wenig massereicher als die Erde, der innere braucht für eine Umrundung fünf Tage, der äußere elf. Umlaufzeit und Bahnradius eines Planeten sind miteinander verbunden. Beide sind nur wenige Millionen Kilometer vom Stern entfernt und liegen in der sogenannten „habitablen Zone“, das ist der Bereich, wo Wasser in flüssiger Form auf dem Planeten vorkommen kann, Grundbedingung für die Entstehung von Leben.

Doppelt so alt wie die Sonne

Wie würde der Himmel auf diesen Planeten aussehen? Der innere liegt 40 Mal näher an seiner Sonne als wir an unserer, seine Sonne ist aber zehn Mal kleiner – am Himmel von Teegarden b ist die Sonne vier Mal so groß wie bei uns. Sie ist nur kühler: 2600 Grad statt die 5800 unserer Sonnenoberfläche. Damit bekommt der äußere Planet im System etwas mehr Sonnenenergie ab als unsere Erde, das würde also passen. Teegardens Stern ist mit 8 Milliarden Jahren knapp doppelt so alt wie die Sonne, das Leben hätte auf seinen Planeten deshalb mehr Zeit zur Entwicklung gehabt.

Rote Zwerge fallen oft durch massive Strahlungsausbrüche unangenehm auf, für etwaiges Leben ist das natürlich verheerend; Teegardens Stern verhält sich in dieser Beziehung mustergültig, er strahlt gleichmäßig, was die Chance auf Leben im System erhöht. Sollten dieses Leben sogar intelligent wohnen, könnten diese Aliens ab 2040 sehen, wie Merkur und Erde vor unserer Sonne vorüberziehen. Eine Vorstellung, bei der einem ein gewisses unangenehmes Gefühl beschleicht . . . Christian Mähr