Dengue-Fieber

Wissen / 24.01.2020 • 13:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist unglaublich, was alles wissenschaftlich belegt, bewiesen, erwiesen, alternativlos, unbestritten und in Stein gemeißelt ist. Es war über Jahrhunderte hinweg ausgemacht, dass die Erde eine Scheibe ist. Als sie dann zur Kugel mutierte, das war bereits im Mittelalter, stand sie lange im Zentrum des Universums. Nachdem Kopernikus und seine Nachfolger diese Theorie gekippt hatten, wanderte die Sonne in den Mittelpunkt des Kosmos, später war es unsere Milchstraße. Heute hat das Weltall kein Zentrum mehr.

Der größte wissenschaftliche Aufreger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Einsteins Revolution. 1905 erschien die spezielle, zehn Jahre später die allgemeine Relativitätstheorie. Nörgler unter den Physikern produzierten jahrzehntelang „wissenschaftlich gesicherte“ Beweise gegen Einsteins Ansichten. Heute kräht kein Hahn mehr nach den Kritikern. Einsteins Theorien sind längst ein Fundament der Naturwissenschaften.

Sigmund Freud

Am schlimmsten erging es den wissenschaftlichen Thesen Sigmund Freuds. Fast ein Jahrhundert regierten Penisneid, Ödipuskomplex und Über-Ich die Psychologie. Der Mann mit dem weißen Vollbart ist vor 80 Jahren gestorben. Er hat mit der Psychoanalyse eine Lehre entwickelt, deren Grundlagen überholt sind. Freuds Trinität von Ich, Es und Über-Ich ist nicht nachweisbar. Freud wird noch gelegentlich verteidigt, aber das betrifft allgemeine Aussagen. So ist Freuds Kritik an der Moderne wieder aktuell, manche Aussagen zur menschlichen Natur wurden sogar vom berühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz verteidigt. Die meisten Lehren Freuds haben jedoch abgedankt.

Die Keule

Unüberlegte Aussagen finden sich heute beim Wissenschaftsjournalismus im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung. Im Oktober des letzten Jahres stand in einer deutschen Tageszeitung: „Höhere Temperaturen führen im statistischen Mittel zu mehr Herzinfarkten.“ Das ist Unsinn, da wollte jemand der Klimaerwärmung einen pseudomedizinischen Anstrich geben. An anderer Stelle hieß es: „Und wenn das Klima hierzulande erst einmal den tropischen Stechmücken genehm ist, werden sich auch Malaria und Dengue-Fieber verbreiten.“ Man braucht als Biologe schon starke Nerven, um solch eine Behauptung ohne Blutdrucksteigerung zu ertragen. Die Möglichkeit sich in absehbarer Zeit in Mitteleuropa mit Dengue-Fieber zu infizieren, ist so wahrscheinlich wie in einem Schwimmbad von einer Anakonda erwürgt zu werden. Zurzeit werden wir ohnehin mit inhaltslosen Begriffen wie „nachhaltig“ und „klimaneutral“ drangsaliert. „Wissenschaftlich“ ist aber immer noch der imposanteste Hebel mit dessen Hilfe Erzählungen unter die Leute gebracht werden.

„Unüberlegte Aussagen finden sich heute beim Wissenschaftsjournalismus im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung.“

Rudolf Öller

rudolf.oeller@vobs.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.