Ein Vitamin für die Knochen

Wissen / 20.11.2020 • 16:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vitamin D ist für das Knochenwachstum bei Kindern verantwortlich.ADOBE STOCK
Vitamin D ist für das Knochenwachstum bei Kindern verantwortlich.ADOBE STOCK

Vitamin D: Zufuhr durch Sonne oder Lebertran.

schwarzach Vitamin D ist wohl jenes Vitamin, das den meisten Älteren in unangenehmer Erinnerung ist: Das liegt an seiner Darreichungsform, die in meiner Kindheit die übliche war. Lebertran. Schmeckt einfach abscheulich, und es gibt nichts, was den Geschmack verbessern könnte – aber er enthält Vitamin D. Dabei ist es gar kein Vitamin im strengen Sinn, denn das sind lebenswichtige Stoffe, die der Körper nicht selber herstellen kann. Vitamin D kann dagegen sehr wohl aus Cholesterin im Organismus hergestellt werden – allerdings braucht es dazu die UVB-Strahlung der Sonne.

Eigentlich gibt es nicht ein Vitamin D, sondern eine Reihe eng verwandter Substanzen, die wichtigste ist D3, das Colecalciferol. Es ist chemisch mit den sogenannten Sterinen verwandt, eine außerordentlich wichtige Gruppe, deren Vertreter nicht nur in Tieren und Pflanzen, sondern auch in Pilzen vorkommen. Beispiel im menschlichen Organismus sind Cholesterin und die Sexualhormone Androsteron und Testosteron, die Östrogene und die Hormone, die von der Nebenniere hergestellt werde, wie das Cortisol.

Die Natur ist, was die Biochemie betrifft, sehr sparsam und verwendet denselben Grundbauplan für zahlreiche Substanzen, die nur leicht abgewandelt werden. Vitamin D3 kommt in den Leberölen von Heilbutt, Thunfisch und Dorsch vor. Warum sind nun die D-Vitamine so wichtig? Ohne sie kann der Körper kein Calcium aufnehmen, wenn das passiert, kommt es bei Kindern zu mangelhaftem Knochenwachstum, zur Rachitis, einer Geißel des 19. Jahrhunderts.

Der wichtigste Calciumlieferant ist die Milch. Bei der Besiedlung der Erde hat sich der Mensch an die unterschiedlichsten Umweltbedingungen angepasst: In nördlichen Breiten bekommt er wenig Sonne, weil er wegen der Kälte die Haut fast völlig bedecken muss, daher verschwand die Pigmentierung, die weiße Haut lässt mehr Licht durch. Zweitens entwickelte er eine starke Toleranz für Milchzucker, der für die große Mehrheit der Menschheit schwer bis gar nicht verdaulich ist; Milch liefert schließlich Calcium. Deswegen vertragen fast 100Prozent der Nordeuropäer die Milch. Ohne Milch und Licht Knochenprobleme. Die Synthese in der Haut ist durch weitere photochemische Reaktionen fein abgestimmt.

Das Molekül ist nämlich selber lichtempfindlich und wird durch zu starke Sonnenstrahlung zu einem inaktiven Stoff abgebaut. Es ist in hohen Dosen nämlich giftig. Was sind hohe Dosen? Circa das Hundertfache der Normalmenge – nur erreichbar durch verrückt hohen Konsum von Vitaminpillen. Wie viel Licht braucht man, um genügend Vitamin D herzustellen? In unseren Breiten würden täglich 15-25 Minuten Sonnenstrahlung auf ein Viertel der Körperoberfläche reichen – im Winter völlig illusorisch.

Dafür gibt es ja die Pillen. Oder eben – Lebertran. Wogegen nützt es? Zum Beispiel gegen das Risiko von Knochenbrüchen und Gleichgewichtsstörungen.

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