Vielzahl an Molekülen in Exoplanet-Atmosphäre nachgewiesen

Wissen / 09.04.2021 • 16:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Neben Wasser fünf weitere Moleküle bei HD209458b entdeckt. APA/INAF
Neben Wasser fünf weitere Moleküle bei HD209458b entdeckt. APA/INAF

Graz In einer aktuellen Nature-Studie präsentiert ein internationales Team, dem auch das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angehört, die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre des heißen Gasriesen HD209458b – detailliert wie nie zuvor.

Durch Beobachtungen mit dem italienischen Telescopio Nazionale Galileo (TNG) auf La Palma und dank einer innovativen Datenanalyse wurden zum ersten Mal gleichzeitig sechs Moleküle in der Atmosphäre eines Exoplaneten nachgewiesen. „Wir haben Wasser, Kohlenmonoxid, Cyanwasserstoff, Methan, Ammoniak und Acetylen gefunden“, erläutert IWF-Gruppenleiter Luca Fossati. Das Vorhandensein dieser Moleküle lässt auf eine größere Häufigkeit von Kohlenstoff als von Sauerstoff schließen. „Das bedeutet wiederum, dass sich der Planet in großer Entfernung von seinem Stern gebildet hat und dann auf ihn zugewandert ist“, setzt der Mitautor der Studie fort.

Größe und Masse von Jupiter

HD209458b ist einer der am besten untersuchten Exoplaneten und kann als „historisch“ bezeichnet werden, weil er bereits vor etwa zwanzig Jahren entdeckt wurde. Er hat ungefähr die Größe und Masse des Planeten Jupiter. Er ist ein Gasriese, der nur rund sieben Millionen Kilometer von seinem Mutterstern entfernt ist, das ist ein Zwanzigstel des Abstands zwischen Erde und Sonne. Daher hat HD209458b eine sehr hohe Temperatur von beinahe 1800 Grad Celsius und eine sehr kurze Umlaufzeit von dreieinhalb Tagen. Das Team sammelte Daten von vier seiner Transits. „Bei einem Transit zieht der Planet vor seinem Stern vorbei und das Licht des Sterns wird durch die Atmosphäre des Planeten gefiltert.“ Zurück bleiben die charakteristischen „Fingerabdrücke“ der enthaltenen Moleküle.