Rudolf Öller

Kommentar

Rudolf Öller

Regenbogenfarben

Wissen / 25.04.2021 • 07:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken, er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde. … Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen.“ Diese Sätze aus dem neunten Kapitel der Genesis zeigen, dass der Regenbogen ausdrücklich ein Symbol göttlichen Friedens ist.

Der Biologe und Sachbuchautor Richard Dawkins schreibt in seinem Bestseller „Der entzauberte Regenbogen“, dass die Wissenschaften den Regenbogen in seine Bestandteile zerlegt haben, was einige Dichter fast zur Verzweiflung trieb. Der irische Mystiker und Literatur-Nobelpreisträger William Butler Yeats schrieb einmal: „Das Wissen hat die Sonne getötet, sie zu einem Gasball mit Flecken gemacht …“
Das Missverständnis zwischen Wissenschaftlern und Romantikern entsteht, weil die Wissenschaftler in erster Linie die Sprache der Mathematik, die Mystiker den Jargon der Romantik und Fantasie bevorzugen. Es wird dabei übersehen, dass der Regenbogen bei Physikern keineswegs seinen Charme verloren hat.

Spektralfarben

Der Erste, der sich mit den Regenbogenfarben intensiv beschäftigte, war der englische Physiker und Mathematiker Isaac Newton, der beweisen konnte, dass weiße Lichtstrahlen in Spektralfarben zerlegbar sind, die einzelnen Farben hingegen nicht. Seit Newton blieb der Regenbogen mit seinen Farben im Focus der Wissenschaften. Der Erste, der einen Durchbruch erzielte, war der deutsche Physiker Max Planck, der einen entscheidenden Zusammenhang zwischen Spektralfarben und Energie entdeckte. Wir kennen das Phänomen: Erhitzt man ein Metall bis zum Glühen, dann werden die Wellenlängen des abgestrahlten Lichtes immer kürzer. Der nachgewiesene Zusammenhang zwischen Energie und Wellenlänge des Lichtes begründete im Jahr 1900 die Quantenphysik.

„Es wird dabei übersehen, dass der Regenbogen bei Physikern keineswegs seinen Charme verloren hat.“

Ein vielfarbiges Symbol

Der deutsche Physiker Albert Einstein erkannte ebenfalls die fundamentale Bedeutung des Lichtes für die Naturwissenschaften. In einem 1905 veröffentlichten Artikel zur Deutung des Photoeffekts führte Einstein den Begriff des Lichtquants ein. Seither gilt er als Mitbegründer der Quantenphysik. Im gleichen Jahr erschien Einsteins Artikel, dem die Lichtgeschwindigkeit zugrunde liegt. Die Studie „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ begründete die Relativitätstheorie. Der Regenbogen als vielfarbiges Symbol des Lichtes steht an der Wiege eines biblischen Friedens und der zwei bedeutendsten und erfolgreichsten physikalischen Theorien aller Zeiten.

Mag. Dr. Rudolf Öller ist

promovierter Naturwissenschaftler