Kleine Windräder – große Einnahmen?

Wissen / 04.07.2021 • 11:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kleine Windräder – große Einnahmen?
Windkraft ist nur in Spezialfällen einsetzbar, ansonsten ist Photovoltaik einfacher und günstiger. REUTERS

Warum es nicht nur auf den Wind ankommt.

schwarzach Die ungeheure Energie eines Tornados wird man wohl nie nutzen können, die kleinere aus schwächeren Winden nutzt man seit Jahrtausenden. Persische Windmühlen drehten sich schon im 7. Jahrhundert v. Chr., in Europa war der Wind neben Wasserkraft seit dem Mittelalter die wichtigste technische Kraftquelle der Landwirtschaft.

Heute soll Windenergie den Umbau zur CO2-freien Industriegesellschaft ermöglichen – könnte der Wind auch im Kleinen, auf der Ebene eines Haushalts, genutzt werden? Das zumindest versprechen Dutzende Anbieter sogenannter Kleinwindkraftanlagen. Mit wenigen Hundert Euro ist man dabei und spart durch stetige Energiegewinnung Stromkosten – natürlich nur, wenn der Wind weht, manchmal aber nicht einmal dann, wenn nämlich die Anlage die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt. Leider ist das Angebot an diesen Geräten so reich wie unübersichtlich. Es ist schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Generell gilt: In der typischen Siedlungsstruktur Vorarlbergs ist mit einer Kleinwindanlage an keine wirtschaftliche Stromerzeugung zu denken – Hobbyanlagen sind etwas anderes. Oft heißt es: Bei uns weht eh zu wenig Wind. Stimmt. Wenn es aber einmal tüchtig bläst, zerstören die zahlreichen Dachkanten und Hausecken den Luftstrom; die Windenergie wird durch Verwirbelung in Wärme umgewandelt, in diesen Wirbeln stecken auch die kleinen Windturbinen, die man auf dem First montiert. Das bringt wenig bis gar nichts. Faustregel: Das nächste Hindernis, gleich ob Haus oder Baum, sollte zwanzig Mal so weit von der Windturbine entfernt sein, wie es hoch ist. Bei einem Einfamilienhaus sind das rund 200 Meter – im Siedlungsraum unerfüllbar. Gut funktionierende Kleinanlagen stehen im weithin freien Feld auf Masten von mindestens zehn Metern Höhe. Die bringen dann auch bis zu 5000 Kilowattstunden Ertrag pro Jahr. Voraussetzung ist Wind, den beurteilt man nicht mit dem nassen Finger in der Luft, sondern mit einer Messstation, die leicht ein paar Hunderter kostet.

Professionelle Windturbinen kosten auch das Zehnfache kleiner Hobbyanlagen. Warum? Weil sie viel stärker gebaut sein müssen. Die Leistung, die der Wind zur Verfügung stellt, hängt von der durchströmten Windradfläche, der Luftdichte und der Windgeschwindigkeit ab; von ihr mit der dritten Potenz. Das heißt: Bei doppelter Geschwindigkeit verachtfacht sich die Leistung, die das Windrad aufnehmen muss. Ein Windrad läuft bei ca. 4 m/sec an – Blätter und dünne Zweige bewegen sich (leichte Brise). Bei der dreifachen Geschwindigkeit (frische Brise) beginnen Bäume zu schwanken, aber das Windrad muss die siebenundzwanzigfache Leistung verkraften.
Keine Maschine kann derartige Steigerungen aushalten – man muss das Rad mit einem Zusatzmechanismus aus dem Wind drehen, sonst wird es zerstört. Windkraft für den Hausgebrauch? Nur in Spezialfällen – sonst ist Photovoltaik einfacher und günstiger.

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