„Nehmen uns selber nicht so wichtig“

Wohin / 14.08.2013 • 11:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
„Blumentopf“ werden in Bregenz Songs Ihres aktuellen Albums und alte Hits präsentieren. Foto: Neumann

„Blumentopf“ werden in Bregenz Songs Ihres aktuellen Albums und alte Hits präsentieren. Foto: Neumann

„Blumentopf“ stehen seit 20 Jahren für unterhaltsamen Rap „Made in Germany“.

„Blumentopf“ – wie kam dieser Bandname seinerzeit eigentlich zustande? Würdet ihr diesen Namen heute auch noch wählen?

Cajus Heinzmann: Der Name ist in einem Freestyle gefallen und wurde dann einfach von uns angenommen. Wir müssten sogar diesen Namen heute auch wieder wählen, wenn man bedenkt, wie viele Leute sich das Logo auf Arme, Beine, Schultern etc. tätowieren haben lassen. Wir haben doch eine Verantwortung gegenüber unseren Fans!

Was hat sich in eurer Musik im Laufe der nunmehr 20-jährigen Bandgeschichte verändert?

Heinzmann: Wir sind immer in Bewegung, das hört man von Platte zu Platte.

Welche Ziele, die ihr euch gesetzt habt, habt ihr schon erreicht? Und welche möchtet Ihr noch erreichen?

Heinzmann: Zahlreiche ausverkaufte eigene Tourneen, sieben Studioalben, über 20 Jahre Bandgeschichte, ohne dabei eine längere Pause gemacht zu haben, Konzerte in Nazareth und Bethlehem. Manchmal denke ich mir, was soll denn da noch kommen?!? Keine Ahnung, aber man wird sehen. Ich würde z. B. mal gerne auf dem Mond auftreten oder in einem rumorenden Vulkankrater. Da wäre die Stimmung bestimmt grandios. Feiert, Leute, wir wissen nicht, wie lange wir noch können!

Was würdet ihr als charakteristisch für den Hip-Hop der Marke „Blumentopf“ bezeichnen?

Heinzmann: Ich denke, es sind die Texte und die Art und Weise, wie wir uns präsentieren. Wir halten nichts von Star-Images. Wir machen das schon so lange und haben echt viele kommen und gehen sehen. Wir nehmen uns selber nicht so wichtig und haben auch die Eier, über uns selbst zu lachen.

Worauf legt ihr bei euren Songtexten besonderes Augenmerk?

Heinzmann: Die Texte müssen unterhaltsam sein und einfache Sachen irgendwie clever verpacken. Unsere Devise lautet, etwas aus dem täglichen Leben so darzustellen und zu erzählen, dass man beim Zuhören im Idealfall denkt: super, und wie geht es weiter? Man sollte auch aus dem Text immer den Charakter des jeweiligen Rappers raushören können.

Woher holt ihr eigentlich eure Inspiration?

Heinzmann: Von überall her, manchmal versucht man sie sogar aus der Luft zu saugen – da kommt nur meistens nix.

Auf eurem aktuellen Album „Nieder mit der GbR“ werdet ihr bei zwei Songs von Pohlmann und Günther Sigl von der „Spider Murphy Gang“ unterstützt. Ein einmaliger „Gag“ oder plant ihr auch künftig Kooperationen mit Künstlern, die aus einer ganz anderen musikalischen Ecke kommen?

Heinzmann: Als Gag meinen wir das sicher nicht. Bei einem Feature sind es prinzipiell zwei Dinge, die entscheidend sind: Erstens, wer hat für den jeweiligen Song die eine spezielle Zutat, die wir nicht liefern können, und die dem Ganzen die Krone aufsetzt? Zweitens, mit wem kann man sich vorstellen bzw. bei wem wissen wir, dass eine musikalische Zusammenarbeit eine Eigendynamik entwickelt, die wiederum ganz neue Energien freisetzt? Bei Günther Sigl war es so, dass wir ja seinen Song „Skandal im Sperrbezirk“ aufgegriffen und weitererzählt haben. Da war es schon fast zwingend, ihn mit ins Boot zu holen. Und wie sich dann rausstellte, war das eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die natürlich ihren Reiz im Aufeinanderprallen zweier völlig verschiedener Welten hatte.

Wie ist es so nach 20 Jahren: Gibt es da den einen oder anderen „Blumentopf“-Song, den ihr nicht mehr hören könnt oder bei dem ihr es sogar bereut habt, ihn überhaupt eingespielt zu haben?

Heinzmann: Wir haben natürlich viele Songs schon extrem oft gespielt. Aber die Songs, die wir immer wieder spielen, spielen wir natürlich nur deshalb immer wieder, weil wir damit eine starke Reaktion beim Publikum auslösen. Und diese Reaktion zu kriegen, ist dann natürlich auch bei jedem Auftritt das Ziel und gleichzeitig die Motivation. Allerdings höre ich äußerst ungern unsere Platten. Manchmal ist es interessant, alte Songs zu hören, aber meistens kannst du mich damit jagen!

Zur Person

Cajus Heinzmann

Geboren: 27. 8. 1975

Wohnort: München und Walchensee

Hobbys: Billard, Joggen, Grillen

Lebensmotto: Alles wird gut!

„Blumentopf“ sind im Rahmen des „Freakwave“-Festivals am
31. August in der Werkstattbühne
in Bregenz zu Gast. Tickets:
Musikladen, Tel. 05522/41000,
www.musikladen.at