„Realität hat mehr auf Lager als jede Fantasie“

Wohin / 01.06.2017 • 15:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elgar (l.) und Gerald Fleisch stehen beim FL1-Live-Festival in Schaan auf der großen Bühne. Foto: Hartinger
Elgar (l.) und Gerald Fleisch stehen beim FL1-Live-Festival in Schaan auf der großen Bühne. Foto: Hartinger

Fleisch & Fleisch sind Headliner beim internationalen Musikfestival in Schaan.

Schwarzach. Eine große Ehre wird der Vorarlberger Band Fleisch & Fleisch zuteil. Beim internationalen FL1-Life-Musikfestival, das  am 7. und 8. Juli in Liechtenstein stattfindet, wird das beliebte Brüder-Duo als Headliner neben Stars wie Anastacia und Silbermond auftreten. Gerald Fleisch spricht im VN-Interview unter anderem über die Bedeutung von Mundart, die Digitalisierung und ihre neue CD „Nüne“.

Ihr seid mit Mundart erfolgreich geworden. Was bedeutet es für Euch, im Vorarlberger Dialekt zu singen?

Fleisch: Wir singen für uns selber oft in hochdeutscher oder englischer Sprache. Beim Komponieren eigener Lieder hingegen sind wir aber immer schon automatisch in den Dialekt verfallen. Die alemannischen Dialekte – es gibt den einen Dialekt ja nicht – sind wunderbar vokalreich und einzelne Begriffe herrlich mehr-, viel- oder gar zweideutig.

Eure neue CD „Nüne“ sei Eure bisher persönlichste CD. Wie ist sie entstanden und woher habt Ihr die Ideen genommen?

Fleisch: Wir warten immer, bis wir aus unserer Sicht wieder genügend ausgereifte Songs haben. So auch bei „Nüne“. Dann geht es ins TonzooStudio mit unserer Profiband. Wir spielen auch selber die Instrumente ein, da wir den Anspruch haben, unsere Musik auch live spielen zu können. Wir besingen Facetten aus unserem Leben, und diesmal sind einige Songs besonders persönlich.

Einer Eurer Songs heißt „Selfie“. Die Digitalisierung nimmt ja einen immer größeren Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Wie steht Ihr dieser Tatsache gegenüber?

fleisch: Jede Zeit treibt ihre Blüten. Bei aller Freude über neue Technologien und soziale Verhaltensformen ist das Selfieunwesen eine besondere Blüte. So viel Egoismus, Selbstdarstellung und Selbstüberschätzung ist quasi Dauerkabarett – und oft eine gekonnte Darstellung der eigenen Unzulänglichkeiten.

Hört Ihr privat auch gerne Vorarlberger Mundartsongs?

Fleisch: Wir hören überhaupt gerne Lieder in Mundart. Auch viele bekannte englisch- oder französischsprachige Songs sind Mundartlieder. Uns fasziniert das Unmittelbare am Dialekt.

Wie entsteht überhaupt ein typischer Fleisch & Fleisch-Song?

Fleisch: Teilweise fliegen uns die Lieder zu, teilweise ist es mühsame Arbeit. Jeder schreibt erstmal für sich alleine dann wird ziemlich heftig gemeinsam vorsortiert (wir haben viel „Ausschussware“) und am Schluss gemeinsam gefeilt. Da wir beide ein vielseitiges Leben führen dürfen, werden wir täglich mit Ideen konfrontiert. Die Realität hat mehr auf Lager als jede Fantasie.

Hat sich Euer Musikstil im Laufe der Jahre, die ihr auf der Bühne steht, verändert?

Fleisch: Nein. Wir haben immer denselben Musikstil – handgemacht, textfokussiert mit vielen Rhythmen – wie früher. Heute ist unsere Musik allenfalls etwas ausgefeilter, das kommt wohl auch mit dem Alter. Unser besonderes Glück ist es, dass wir von der Musik nicht wirtschaftlich abhängig sein müssen. Und das gibt uns die Freiheit, unsere Musik zu machen und uns treu zu bleiben.

Sie sind beide beruflich sehr engagiert, schreiben Songs, Proben und geben Konzerte. Bleibt da überhaupt noch genügend Zeit für die Familie und andere Hobbys?

Fleisch: Musik ist eine unserer Leidenschaften und ein wunderbarer Ausgleich zu unseren Berufen, die wir gerne ausüben. Unserem toleranten privaten Umfeld sind wir sehr dankbar. Im Proben sind wir nicht so gut.

Ihr spielt beim FL1-Festival in Schaan. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?

Fleisch: Auf einen hoffentlich lustigen und abwechslungsreichen Konzertabend in einem sicherlich fantastischen Ambiente. Das FL1-Festival in Schaan ist hochprofessionell organisiert. Mir fröuen üs, i deam winziga Fürschtatum z’ schpiela. Eine liechtensteinische Mundartband hat zu unserem Lied „Liechtenstein“ ein Gegenlied geschrieben und wird mit ebendiesem einen Gastauftritt in unserem Konzert haben.

Musik ist ein wunderbarer Ausgleich zu unseren Berufen.

Gerald Fleisch

Zur Person

Gerald Fleisch

Liedermacher

Geboren: 17.7.1966

Wohnort: Dornbirn

Beruf: Direktor der
Vorarlberger Krankenhaus-
Betriebsgesellschaft

Familie: verheiratet, zwei Kinder

„Fleisch & Fleisch“ sind am Freitag 7. Juli um 19 Uhr zu Gast beim FL1-Life Festival in Schaan.