Evelyn Fink-Mennel spielt mit „Messis Cellogruppe“ Fiddelmusik aus ganz Europa

Wohin / 14.06.2019 • 11:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
 Evelyn Fink Mennel (3. v. r.) und "Messis Cellogruppe".  Cernenschek
Evelyn Fink Mennel (3. v. r.) und „Messis Cellogruppe“. Cernenschek

schwarzach Ende Juni findet das erste Folk Festival in St. Arbogast statt. Mit dabei ist auch „Messis Cellogruppe“, die vor vier Jahren von Evelyn Fink-Mennel gegründet wurde. Die Bregenzerwälder Musikerin erzählt im VN-Interview von ihrer Musik, ihrer Streichergruppe und dem Arbogast-Festival.

Wie ist „Messis Cellogruppe“ entstanden?

Die Mitglieder von „Messis Cellogruppe“ sind alle ehemalige Streicher-Schüler der Musikschule Bregenzerwald. Mit einigen hat sich der Kontakt gehalten und wir fuhren gemeinsam auf Sommerkurse. Und weil wir das musikalische Flair der Sommerkurse ganzjährig haben wollten, begannen wir, auch unterm Jahr zu spielen. Für unseren ersten Auftritt haben wir dann einen Gottesdienst in der Schwarzenberger Kirche ausgesucht, und so nahm dann alles seinen Lauf. Wir sind eigentlich zu neunt, drei von unseren Mitgliedern sind zum Zeitpunkt des Festivals gerade auf Maturareise und fallen für dieses Konzert aus. Da wir ein Streicher-Kollektiv sind, sind wir dennoch als Formation spielfähig. Beim Konzert in Arbogast werden wir dann gemeinsam mit dem südafrikanischen „Bochabela String Orchestra“ auftreten.

Was für Musik spielt „Messis Cellogruppe“?

Wir spielen Fiddlemusik aus ganz Europa. Wir lernen Musik direkt von einem Menschen durch Abhören und spielen daher alles ohne Noten.

Die Gruppe besteht aus Streichmusikern – welche Streichinstrumente sind vertreten?

Zwei Celli, ein Kontrabass und sechs Geigen. Altersdurchschnitt der Musizierenden: 18.5 Jahre.

Welche musikalischen Ziele verfolgen Sie mit „Messis Cellogruppe“?

Bisher ist alles mehr oder weniger zufällig passiert, einfach aus Freude am gemeinsamen Musizieren. Aber schon lange war es ein Ansinnen, Streichermusik mit Volksmusik aus aller Welt auch hier in Vorarlberg zu etablieren. Nun aber verändert sich bandintern manches, drei der Gruppe machen Matura und sind ab Herbst möglicherweise woanders, ein Mitglied studiert bereits in Wien. Jetzt muss ich die jungen Leute erst mal machen lassen und schauen, wo es sie hinzieht. Noch aber spielen wir am 7. Juli beim 19. Benefizkonzertnachmittag im Kapuzinerkloster in Bregenz (11 bis 16 Uhr) und am 22. September beim Familienkonzert Kuno Kinderkultur in der Parkhalle Egg (Beginn: 11.15 Uhr). Anfragen für das nächste Jahr sind da, wegen den genannten schulischen Veränderungen können wir mit „Messis Cellogruppe“ gerade keine fixen Engagementzusagen machen. Aber die Fiddleszene im Lande lebt, da gibt’s weiters die „Kons-Fiddler“ oder die „Fiddle-Kids“, eine Gruppe von 9-14 jährigen Geigern, die aus dem Umfeld der jährlich stattfindenden Radix-Musikwerkstatt (www.walserherbst.at) gewachsen ist und sich mittlerweile auf Musikschulebene etabliert hat.
Zurück zu „Messis Cellogruppe“: Wir haben in dieser relativ kurzen Zeit viele schöne Konzerte und Reisen erleben dürfen. 2017 waren wir in Südengland sowie beim niederösterreichischen Festival „Glatt&verkehrt“ (als Pauseneinlage vor einem Helge- Schneider-Konzert). 2018 waren wir zu Gast beim „Folkbaltica-Festival“ im deutsch/dänischen Grenzgebiet und auch im Wiener Konzerthaus. Es ist ein schönes Kompliment, wenn man nur durch Mundpropaganda (also ohne großen Internetauftritt oder Agentur) von der Jeunesse Österreich ins Wiener Konzerthaus gerufen wird. Da haben wir uns schon sehr gefreut, in diesen heiligen Hallen aufzugeigen.

Sie sind eine Verfechterin der Volksmusik. Warum?

Ich habe Klassik studiert, aber die Volksmusik war von klein auf durch ein musizierendes Elternhaus präsent. Als Musikvermittlerin sehe ich heute die Bedeutung dieses Genres sowohl für die Gesellschaft an sich, wie auch für die musikalische Bildung von Kindern. Auch muss man immer wieder klarstellen, dass es einen Unterschied zwischen der überlieferten Volksmusik und der volkstümlichen Musik gibt. Den Klang, die Lieder, die Tänze der eigenen Region zu kennen ist nicht nur, aber spätestens dann wichtig, wenn man in andere Länder reist und gefragt wird: Und wie klingt es bei dir zu Hause? Dann wird das Eigene Teil der Weltmusik. Das ist dann schon cool, gerade auch für die Jugendlichen.

Beim Folk Festival Arbogast wird auch die Ausstellung „Das Bregenzer Festival 1976-1979“ zu sehen sein. Welche Rolle spielen Sie hier?

Ich forsche am Landeskonservatorium zum Thema Volksmusik und Folkmusik. Ein zentraler Kern der zu bearbeitenden Bestände ist der „Folk-Nachlass-Haid“, der vom Volkskundler-Ehepaar Gerlinde und Hans Haid übernommen und dem Vorarlberger Landeskonservatorium einverleibt werden konnte. In diesen Beständen habe ich Hinweise gefunden, dass es in Bregenz am Gebhardsberg in den 1970ern Folk-Festivals gegeben hat. Nach eineinhalbjähriger Recherche konnten mittlerweile viele Informationen zusammengetragen werden: Programme, Fotos, Tonaufnahmen usw. Wie sich heute zeigt, war dieses Bregenzer Folk-Festival das erste dieser Art in Österreich, es war also richtungsweisend für andere in Österreich. In einer Lehrveranstaltung am Landeskonservatorium bereiten wir diesen Aspekt der Vorarlberger Kulturgeschichte nun in einer multimedialen Ausstellung auf.

Welchen Satz möchten Sie unseren Lesern zum Thema Volksmusik unbedingt noch sagen?

Ich lade interessierte Menschen ein, an den regelmäßigen Angeboten zum „Mit-tanzen“, den instrumentalen und vokalen Angeboten im Lande teilzunehmen als Akteurin und Akteur der gemeinsamen musikalischen Klanglandschaft.

Folk Festival Arbogast: 28. bis 30. Juni, St. Arbogast in Götzis. Infos zum Programm: folkfestival.arbogast.at