VN-Interview mit dem Jazz-Schlagzeuger Oliver Steidle über Improvisation und Kreativität

28.06.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Oli Steidle & The Killing Popes. KÜSSEROW

Oliver Steidle & The Killing Popes gastieren im August bei Bezau Beatz in der Remise Wälderbähnle. Der Schlagzeuger beantwortete den VN einige Fragen.

Oliver Steidle & The Killing Popes – erzähl uns mal, wie und wann du die Band gegründet hast?

Es müsste ungefähr im Jahr 2013/14 gewesen sein. Ursprünglich habe ich die Band mit dem damaligen Bassisten Petter Eldh gegründet. Wir hatten ein paar Ideen, wie wir Musik konzipieren wollten und haben gemeinsam Stücke geschrieben. Petter ist später dann ausgestiegen und da habe ich beschlossen, die Band auf eigene Faust weiterzuführen.

Ihr bewegt euch im jazzigen Bereich – kannst du uns euren Stil genauer beschreiben?

Ich tue mir da immer sehr schwer, unsere Musik mit drei, vier Worten zu umschreiben. Ich kann eigentlich nur sagen, dass ich immer eine Band haben wollte, die auf Grooves basiert. Grooves, die, auch wenn sie offensichtlich nicht so kompliziert sind, dann doch eine Komplexität aufweisen. Stilistisch orientiere ich mich an Musik, die ich in meiner Jugend gehört habe. Von Grime Chore, Punk über Hip Hop usw., die jetzt so direkt nichts mit Jazz zu tun haben. Bei unserer Musik stehen also die Grooves im Vordergrund, hinzu kommt natürlich auch das improvisatorische Element und die Melodien dienen dabei als Anker für den Zuhörer sein. Kurz gesagt, wir machen kreative Instrumentalmusik.

Thema Improvisation – wie schafft man es als Band zu improvisieren und trotzdem nicht chaotisch zu klingen?

Bei der Improvisation ist es besonders wichtig, dass man aufeinander hört und auch den Willen hat, gemeinsam etwas zu kreieren. Natürlich habe ich mir die Band von der Instrumentierung her schon stimmig ausgesucht, auch vom musikalischen Verständnis her. Das heißt, chaotische Momente sind durchaus gewollt, aber wenn man das Ganze in eine Struktur packt, sodass es einen Sinn ergibt, kann auf der Bühne alles Mögliche passieren. Dadurch, dass jeder von uns eine große Verantwortung für die Musik hat, auch für die Improvisationsmomente, hatte ich bisher nie das Gefühl, dass es ausufert oder wir zu weit weg von der Musik geraten. Außerdem verfeinert sich das Improvisationsgefühl auch im Verlauf des gemeinsamen Spielens.

Du spielst Schlagzeug – bitte ein paar Worte zu deiner musikalischen Ausbildung.

Schlagzeug spielen wollte ich schon immer. Ich bin tatsächlich das klassische Fallbeispiel von dem kleinen Jungen, der mit drei, vier Jahren die Töpfe seiner Mutter herausholt und leidenschaftlich darauf rumtrommelt. Meine Eltern schlugen dann aber vor, dass ich erstmal ein paar Jahre Klavierunterricht nehme. Mit elf Jahren habe ich dann aber zum Schlagzeug gewechselt.

Ihr habt heuer euer erstes Album „Ego Pills“ herausgebracht. Ich nehme an, die Songs hast du geschrieben?

Die meisten Songs stammen von Petter und mir, zwei Songs habe ich alleine geschrieben.

Wo holst du dir die Inspiration zum Komponieren?

Inspiration ist alles, was uns gefällt, da haben wir keine stilistischen Scheuklappen. Rhythmisch hat sich in den letzten Jahren in der Musik auch einiges verändert, das inspirierend wirkt. Oftmals ist es aber so, dass man übers Ausprobieren auf Ideen kommt. Wir haben auch immer darauf geschaut, dass das Schreiben nicht zu einer zu verkopften Sache wird.

In deiner Musikkarriere wurdest du schon mit einigen Preisen ausgezeichnet. Welcher war für dich persönlich der bedeutsamste?

Gute Frage . . . hmm, ich glaube der Solistenpreis von Mannheim. Vor allem auch, weil es sich dabei um einen Publikumspreis handelt.

Demnächst bist du mit deinen Killing Popes bei Bezau Beatz zu Gast. Wer darf euer Konzert auf keinen Fall verpassen?

Alle, die sich für richtig interessante Livemusik begeistern, sollten zum Konzert kommen.

Oliver Steidle

Schlagzeuger und Bandleader von The Killing Popes
Geboren 25.5. 1975
Wohnort Berlin

Lebensmotto Kämpfen und genießen

Bezau Beatz: 8. bis 10. August. Oliver Steidle & The Killing Popes gastieren am 10. August in der Remise Wälderbähnle, 19 Uhr. Tickets: www.bezaubeatz.at, Ländleticket. Sparkassen, Raiffeisenbanken.