Blues-Traditionalisten grooven in Bludenz

09.08.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erik Trauner (r.) und seine Mannen von der Mojo Blues Band sind beim Bludenzer Jazz & Groove Festival dabei. Mojo Blues band
Erik Trauner (r.) und seine Mannen von der Mojo Blues Band sind beim Bludenzer Jazz & Groove Festival dabei. Mojo Blues band

VN-Interview mit Erik Trauner (61), Musiker und Bandleader der „Mojo Blues Band“

schwarzach Drei Abende mit Blues, Funk und Jazz gibt es Ende August beim Bludenzer Jazz & Groove Festival. Auch die legendäre „Mojo Blues Band“, die mit über 40 Jahren Bühnenerfahrung und mehr als 5000 Live-Auftritten zu den Größen im europäischen Blues gehört, wird mit dabei sein. Bandleader Erik Trauner im VN-Interview.

Die Mojo Blues Band gibt es nun seit über vier Jahrzehnten. Wie fing alles an?

Im Jahr 1977 haben wir das erste Mal unter diesem Bandnamen Musik gemacht. Wir haben uns dem frühen Chicago-Blues verschrieben, ein Musikstil, den sonst niemand in Österreich gespielt hat. Damals ging aber alles etwas zu schnell für uns. Wir wurden gleich als Begleitband für amerikanische Bands, die hier auf Tournee waren, eingeteilt, haben eigentlich zu früh eine Schallplatte aufgenommen, heute nenne ich sie eine Jugendsünde. Irgendwie wurden wir als Jugendliche einfach ins kalte Wasser geworfen. Das war nicht immer einfach für uns. Aber im Nachhinein war es okay, weil das eben sehr gute Lehrjahre waren.

Inwiefern hat sich das Publikum in diesen 42 Jahren verändert?

Naja, das Publikum war und ist immer ungefähr gleich alt wie wir. Es ist also mit uns älter geworden. Manchmal schenken die Kinder ihren Eltern ein Konzert bei uns und gehen dann mit. Und sind dann ganz erstaunt, dass unser Sound eh cool ist.

Ihr macht in erster Linie Blues . . .

Ja, wir sind als Puristen verschrieen, aber für mich ist das keine Beleidigung. Ich bin einfach ein Traditionalist, musikalisch und auch bei meinen Werten als Mensch. Es ist nichts falsch daran, wenn man den Blues dort lässt, wo er ist. Man muss ihn nicht weiterentwickeln, sondern nur so adaptieren, dass er für die eigene Persönlichkeit passt.

Was findest du im Chicago Blues, das du in anderen Genres nicht findest?

Grundsätzlich ist es so, dass ich mich damals an den alten Großmeistern des ländlichen Blues orientiert habe. Texas-Blues, Mississippi-Blues usw. Die Bandbreite des Blues ist ja riesig. Der Chicago-Blues ist ein uriger Blues und der Groove dieser Blues-Richtung ist für mich einfach unerreicht, mein Herz schlägt für diese Musik.

Wenn du dich als Musiker in wenigen Worten beschreiben müsstest – welche wären das?

Ich spiele immer aus tiefstem Herzen.

In einem Interview hast du erzählt, dass du auf der Bühne einen Herzinfarkt hattest. Bist du dadurch ruhiger, vorsichtiger geworden?

Ja, das war 2013. Ich habe mir damals vorgenommen, auf der Bühne ruhiger zu agieren, aber das ist fast nicht möglich. Das Gefährliche an der Musik ist, dass man sich dabei auf der Bühne nicht unter Kontrolle hat. Aber mir geht es nicht schlecht, ich tue auch einiges dafür, dass das nicht mehr passiert, bin auch sportlicher geworden.

Welche musikalischen Stationen waren besonders prägend für dich?

Das werde ich immer wieder gefragt, aber solche Stationen kann ich nicht nennen. Ob ich in Amerika vor 15.000 Menschen spiele oder in einem Club vor 30 Leuten, von der Intensität her kann das genau gleich sein. Die Eindrücke und Gefühle sind immer anders, ich habe da keine Wertigkeit. Highlights waren natürlich Begegnungen mit musikalischen Legenden aber es gibt keine Stationen, von denen ich sagen könnte, die war wirklich prägend.

Was wünschst du dir für die Bluesszene in Österreich?

Ich finde es sehr schade, dass diese Musikrichtung in Österreich heute richtiggehend ignoriert wird. Durch solche Events wie den Austrian Amadeus Award entsteht ein ganz falscher Eindruck, was in unserem Land musikalisch los ist. Allein die Tatsache, dass es da eine Kategorie gibt, die Jazz, World und Blues in einen Topf wirft, zeigt, wie unwichtig diese Kategorien von dieser Veranstaltung genommen werden. Ich würde mir also wünschen, dass der Blues in den Medien wieder mehr Beachtung findet und die österreichische handgemachte Musik nach außen besser dargestellt wird.

Jazz- & Groove-Festival in Bludenz: 29. bis 31. August, Bludenzer Altstadt/Remise. Infos: www.remise-bludenz.at

Zur Person

Erik Trauner

Geboren 4. Mai 1958

Wohnort Josefstadt in Wien

Lebensmotto Jeden Tag das Beste aus Erik Trauner machen