Lukas Schiemer kehrt zu seinen sprachlichen Wurzeln zurück

Wohin / 18.10.2019 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Barry Good“ präsentieren ihr zweites Album. BAND

Der letztjährige „Schnabl“-Gewinner Lukas Schiemer präsentiert mit seiner Band „Barry Good“ sein 2. Album.

Im vergangenen Jahr hast du den ORF-Mundart-Pop/Rock-Wettbewerb Schnabl gewonnen. Deine Wurzeln liegen aber woanders.

Ja, das war eine schöne Überraschung. Ich dachte eigentlich, mein Lied wäre zu jazzig. Auch wenn ich als gelernter Saxofonist viel Musik im Jazz-Bereich mache, ist meine Musik immer eine bunte Mischung mit Pop, Groove und Singer-Songwriter-Elementen. Ich finde, dass in Rhythmus und Schlichtheit viel Kraft und Gefühl liegt, die so mancher komplexe Jazz manchmal nicht rüberbringen kann.

Du hast am Konservatorium und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert. Woher kommt deine Liebe zur Musik? Was hat dich geprägt?

Geprägt hat mich sicher die Musiktradition zuhause. Seit ich denken kann, wurde bei uns daheim musiziert. Mein Vater spielt schon seit 40 Jahren Streichquartett, und meine Eltern haben allen Kindern Musikunterricht ermöglicht. Ganz besonders freut mich, dass ich demnächst am Spielboden zum ersten Mal mit meinem Papa gemeinsam auf der Bühne stehen werde und besagtes Streichquartett für zwei Lieder als Erweiterung unseres Klangkörpers in die Musik einflechten darf.

Mit deiner Band Barry Good machst du groove-orientierten Vokaljazz mit gesellschaftskritischen Texten. Dir sind also Botschaften in euren Songs wichtig?

Ich habe lange Zeit immer wieder damit gehadert, dass ich ‚nur’ Musiker bin und nicht irgendetwas Praktisches mache, wo ich ganz klar den Nutzen und das Resultat meiner Arbeit erkennen kann. Wenn ich aber Botschaften und Inhalte mit meiner Musik transportieren und Menschen damit erreichen kann, macht mich das glücklich. Das hilft mir auch dabei, mich nicht ohnmächtig zu fühlen, wenn ich zum Beispiel finde, dass Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft komplett falsche Wege einschlagen.

Du singst bzw. sprichst deine Lieder im Dialekt, in Hochdeutsch und Englisch. Wo fühlst du dich am wohlsten?

Für mich hat jede der drei Möglichkeiten seinen ganz speziellen Reiz. Als Jugendlicher habe ich Gesang auf Deutsch und Mundart eher uncool gefunden, inzwischen bin ich da ganz anderer Meinung. Gerade unser Dialekt hat eine so wunderbare Sprachmelodie, und die vielen langen Vokale schreien geradezu danach, in Melodien verbogen zu werden.

Was entscheidet, in welcher Sprache du einen Song singst?

Also ich würde behaupten, das entscheide ich ziemlich spontan – oder ist es vielleicht überhaupt komplett dem Zufall überlassen? Ich weiß es nicht. Aber die Inspiration kommt aus der Luft, dem Licht und dem Asphalt unserer Menschlichkeit – der Kultur.

Demnächst präsentiert ihr am Spielboden euer zweites Album. Inwieweit unterscheidet es sich von seinem Vorgänger?

„Es isch hundert und oas!“ Ein Großteil der Bandmitglieder hat seit dem letzten Album gewechselt und neue Farben mitgebracht. Außerdem gibt’s jetzt keine einzige reine Instrumentalnummer mehr, bei allen Liedern wird entweder gesprochen oder gesungen. Und ganz neu ist auch, dass fast die Hälfte auf Mundart ist und nur ein einziger englischer Text am Album zu hören ist.

Barry Good: 26. Oktober,
Spielboden Dornbirn.
Karten: www.spielboden.at, Musikladen Götzis