Je suis Charlie, IS und andere Mächte

Zett_Be / 27.02.2015 • 15:34 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Rund 90 Jugendliche und Verantwortliche aus der Jugendarbeit, Lehrer und Politiker sind der Einladung zur Podiumsdiskussion gefolgt. Fotos: Katholische Kirche Vorarlberg
Rund 90 Jugendliche und Verantwortliche aus der Jugendarbeit, Lehrer und Politiker sind der Einladung zur Podiumsdiskussion gefolgt. Fotos: Katholische Kirche Vorarlberg

Podiumsveranstaltung „Je suis Charlie, IS und andere Mächte“ war ein voller Erfolg.

Arbogast. Wie können wir ein friedvolles Miteinander gestalten? Antworten auf genau diese Frage zu finden, war das Ziel der Podiumsveranstaltung „Je suis Charlie, IS und andere Mächte“ am 18. Februar im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast. Rund 90 Jugendliche und Verantwortliche aus der Jugendarbeit, Lehrer und Politiker sind der Einladung durch die „Junge Initiative Arbogast“, der „youngCaritas“ und „okay.zusammen leben“ gefolgt und kamen in Götzis zusammen. „Jenseits von Richtig und Falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns“, im Zeichen dieser Worte des islamischen Mystikers Dschalal ad-Din ar-Rumi, stand auch dieser Abend.

Attentat in Paris

Das alles dominierende Thema „islamistischer“ Terror der vergangenen Wochen und Monate, speziell aber seit dem Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris, sorgt für Angst, Verwirrung und Ratlosigkeit, nicht nur bei jungen Menschen. Viele Begriffe blitzen durch die Medien – die einen sind pro, die anderen kontra, die Pegida demonstriert bei Montagsdemonstrationen, viele halten dagegen; junge Österreicher ziehen in den vermeintlichen Jihad, während Flüchtlinge unter schwersten und für uns nicht vorstellbaren Bedingungen versuchen, genau dieser Gewalt und Grausamkeit zu entkommen. Muslimische Österreicher werden pauschal angefeindet und müssen sich für Passiertes rechtfertigen, was weder in ihrer Macht noch in ihrer Ideologie liegt.

Bei all diesen Bedrohungen und geschürten Ängsten bleibt die Frage nach dem Wesentlichen eigentlich auf der Strecke. Es geht nicht darum, sich auf eine Seite zu stellen, Charlie Hebdo, IS oder Pegida zu sein. Es geht um die Frage: Wie können wir, ganz konkret hier in Vorarlberg, friedvoll und konstruktiv ein gemeinsames Miteinander gestalten? „Es sollte ein Abend werden, der die Gemeinsamkeit des Mensch-Seins in den Mittelpunkt stellt – so kann auch das Gute und Gemeinsame eine Macht werden, die sich nicht für das eine oder andere verzwecken lässt“, so die Veranstalterin Katharina Steiner, Junge Initiative Arbogast.

Zuwanderung und Integration

Der interkulturelle Dialog liegt auch Frau Dr. Eva Grabherr, Geschäftsführerin von okay.zusammen leben, Projektstelle für Zuwanderung und Integration, besonders am Herzen. Neben dem Aufeinander-Zugehen ist es auch wichtig, Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft zu verstehen: „Was ist die eigentliche Frage hinter Paris? Geht es um Religion und Ideologie? Oder darum, wer anerkannt ist in unserer Gesellschaft, wer dazugehört und wem zugehört wird?“, regt die Expertin an.

Um dem Abend einen thematischen Rahmen zu geben, hat Dr. Hüseyin Cicek, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Erlanger Zentrum für Recht und Islam, mit seinem Impulsvortrag in die Thematik des Abends eingeführt. Darin hat er das Thema Terrorismus im Kontext der Globalisierung sowie die Themen Migration und Pressefreiheit zusammengefasst.

Nino Kaufmann von der koje, dem Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung, hat als Moderator gekonnt durch den Abend geführt und einen konstruktiven Austausch ermöglicht. „Mir war es wichtig, einen wertschätzenden und ehrlichen Dialog zwischen jungen Menschen, Fachleuten der Jugendarbeit sowie politisch Verantwortlichen zu unterstützen.“ In der Diskussion war wahrlich Bewegung drin. Bereits zu Beginn wurde das Publikum spielerisch aktiviert, um verschiedene Fragen zum eigenen kulturellen Hintergrund zu beantworten. So entsteht ein buntes Stimmungsbild vielfältiger Sprach- und Kulturkenntnisse, die das Publikum selbstbewusst einbringen konnte.

Zeichen gesetzt

Mit dieser Veranstaltung wurde ein Zeichen gesetzt, ein Schritt in die richtige Richtung getan. Dass es noch viel zu tun gibt, liegt auf der Hand und das weiß auch Margaritha Matt von der youngCaritas: „Unsere Anti-RassismustrainerInnen leisten hier sehr wertvolle Arbeit. Sie berichten nicht nur von ihren eigenen Erfahrungen, sondern sie haben auch eine fundierte Ausbildung, die sie befähigt, andere Jugendliche und junge Erwachsene zu informieren (peer-to-peer). Sie können das Handwerkszeug für ein tolerantes Zusammenleben weitergeben.“ Natürlich steht auch das Bildungswesen in der Pflicht, hier eine Informationslücke zu schließen.

Erfahrungsaustausch

Fundierte Politische Bildung, gegenseitiger Erfahrungsaustausch und interkulturelle Begegnungen sind nur einige Schlagwörter, die das Manko in unseren Schulen und Bildungseinrichtungen beschreiben. Der Abend hat gezeigt, wie viel Verwechslungsgefahr und Unsicherheit in der Bevölkerung herrscht – viel wichtiger aber, die Anwesenden haben ganz deutlich gemacht, wie groß der Wunsch, der Wille und die Bereitschaft für ein gemeinsames Miteinander ist.

Büsra Göktas, 14 JahreEin respektvoller Umgang ist die wichtigste Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft. Respekt muss bereits im Kindesalter gefördert werden, damit er für Erwachsene selbstverständlich ist.
Büsra Göktas, 14 Jahre
Ein respektvoller Umgang ist die wichtigste Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft. Respekt muss bereits im Kindesalter gefördert werden, damit er für Erwachsene selbstverständlich ist.
Selin Tuncyürek, 14 JahreEine Welt ohne Rassismus wäre nicht schwer zu erreichen. Leider gibt es viele Vorurteile, die wir erst abbauen müssen. Das geschieht nur durch Austausch zwischen den Kulturen, die in Vorarlberg zusammenleben.
Selin Tuncyürek, 14 Jahre
Eine Welt ohne Rassismus wäre nicht schwer zu erreichen. Leider gibt es viele Vorurteile, die wir erst abbauen müssen. Das geschieht nur durch Austausch zwischen den Kulturen, die in Vorarlberg zusammenleben.
Enes Alkan, 16 JahreIch möchte mich für ein besseres Bild von Immigranten einsetzen. Das Schubladendenken muss ein Ende haben. Ich bin immer für ein Gespräch mit meinen Mitarbeitern offen und kann so einige Vorurteile abbauen.
Enes Alkan, 16 Jahre
Ich möchte mich für ein besseres Bild von Immigranten einsetzen. Das Schubladendenken muss ein Ende haben. Ich bin immer für ein Gespräch mit meinen Mitarbeitern offen und kann so einige Vorurteile abbauen.
Lena Feuerstein, 17 JahreDie Podiumsdiskussion hat mich auf neue Gedanken gebracht. Dadurch sind aber auch Fragen aufgetaucht. Ich muss die Infos jetzt erst einmal verarbeiten. Es war eine spannende Veranstaltung, bei der ich viel dazugelernt habe.
Lena Feuerstein, 17 Jahre
Die Podiumsdiskussion hat mich auf neue Gedanken gebracht. Dadurch sind aber auch Fragen aufgetaucht. Ich muss die Infos jetzt erst einmal verarbeiten. Es war eine spannende Veranstaltung, bei der ich viel dazugelernt habe.
Spannender Austausch bei der Podiumsdiskussion.
Spannender Austausch bei der Podiumsdiskussion.
Samanta Segat, 22 JahreEin friedliches Miteinander setzt Toleranz gegenüber anderen Religionen voraus. Um das zu erreichen ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn Unwissenheit ist ein guter Nährboden für Angst und Verunsicherung.
Samanta Segat, 22 Jahre
Ein friedliches Miteinander setzt Toleranz gegenüber anderen Religionen voraus. Um das zu erreichen ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn Unwissenheit ist ein guter Nährboden für Angst und Verunsicherung.

Podiumsteilnehmer

Jonas Hampl, Samanta Segat (Anti Rassismus TrainerInnen der youngCaritas), Eva Grabherr (GF okay.zusammen leben), Hüseyin Cicek (Politologe und Mitarbeiter am Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa), Aglaia Mika (Islambeauftragte der Diözese Feldkirch/Ethikcenter), Fatma Keskin (Obfrau des Frauenvereins MIMOSA)