„Ich fühlte mich nie schön und dünn genug“

Zett_Be / 05.06.2015 • 15:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Ich fühlte mich nie schön und dünn genug“

Selina & Hannah: Wie hat sich das Schönheitsideal in den letzten Jahren geändert?

Alice: Die Models sind heute dünner als zu meiner Jugendzeit. So weit ich mich erinnere, gab es damals keine Größe „Null“. Die Menschen haben einfach versucht das Beste aus sich herauszuholen. Leider ist es inzwischen auch bei jungen Frauen modern geworden, sich Schönheitsoperationen zu unterziehen.

Selina & Hannah: Wie wirkt sich so ein Schönheitsideal auf die Gesellschaft aus?

Alice: Leider wird viel zu viel Aufmerksamkeit auf Äußerlichkeiten gelegt. Das hat zur Folge, dass immer mehr Männer und Frauen mittleren Alters versuchen, sich die Jugend zu erhalten – koste es, was es wolle. Viele verspüren den Druck, einen gesunden und perfekt durchtrainierten Körper zu haben. Doch von 10.000 Frauen haben nur sechs Frauen das fragwürdige „Idealmaß“ 90-60-90. Übrigens werden bereits rund 20 Prozent der Schönheitsoperationen bei Männern durchgeführt!

Selina & Hannah: Du hast früher selbst an Bulimie und Magersucht gelitten. Wie war das für dich?

Alice: Dieser krankhafte Schlankheitswahn hat viele Jahre meines Lebens massiv bestimmt und geprägt. Ich fühlte mich nie schön und dünn genug, dachte, in der Gesellschaft bin ich nur etwas wert, wenn ich dünn bin. Niemand wird mit Absicht magersüchtig, man rutscht in die Sucht hinein und findet sehr schwer und nur mit professioneller Hilfe wieder hinaus.

Selina & Hannah: Und wie hast du es geschafft dieser Sucht zu entkommen?

Alice: Alleine hätte ich es nie geschafft, nach rund 13 Jahren dieser Sucht zu entkommen. Darum bin ich einer Therapiegruppe beigetreten. Durch diese Therapie konnte ich viele meiner Probleme aufarbeiten und habe gelernt, mich selbst zu akzeptieren. Ich lernte wieder zu essen. Und ich habe die Waage aus meiner Wohnung verbannt.

Selina & Hannah: Hattest du jemanden, mit dem du damals über deine Probleme reden konntest?

Alice: Anfangs nicht. Über viele Jahre dachte ich: „Ich habe alles im Griff. Wenn ich dünn genug bin, höre ich auf.“ Erst nach sieben Jahren erkannte ich, dass mein Essverhalten problematisch ist. Ich sprach mit einem übergewichtigen Arbeitskollegen darüber. Er empfahl mir eine Selbsthilfegruppe. Dort lernte ich eine Frau kennen, die dasselbe Problem hatte. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und sind heute noch befreundet.

Alleine hätte ich es nie geschafft, dieser Sucht zu entkommen.

Alice Mansfield-Zech