Boys’ Day 2015: Karriere für junge Männer in Sozialberufen

Zett_Be / 30.10.2015 • 10:46 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Junge Burschen, Schulklassen und Jugendeinrichtungen aus ganz Vorarlberg sind zu den landesweiten Workshops und Schnuppertagen eingeladen. Fotos: Dafür, Sozialministerium
Junge Burschen, Schulklassen und Jugendeinrichtungen aus ganz Vorarlberg sind zu den landesweiten Workshops und Schnuppertagen eingeladen. Fotos: Dafür, Sozialministerium

Der Boys’ Day soll am 12. November Männer für Pflege und Erziehung begeistern.

Dornbirn. Am 12. November 2015 schnuppern Buben in für Männer untypischen Berufen. Der österreichweite Aktionstag soll Gender Gaps bei der Ausbildungs- und Berufswahl in den Bereichen Soziales und Erziehung schließen.

Zum achten Mal veranstaltet das Sozialministerium heuer den österreichweiten Boys‘ Day mit mehr als 300 Veranstaltungen und über 3000 beteiligten Burschen. Im Rahmen des Aktionstages Boys’ Day werden auch heuer wieder zahlreiche Schnuppermöglichkeiten in verschiedenen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Ausbildungseinrichtungen angeboten. Dabei stellen vorzugsweise männliche Mitarbeiter den zwölf- bis 18-jährigen Teilnehmern ihren Beruf in der Praxis vor und sprechen mit ihnen über ihre Erfahrungen in Sozialberufen. Junge Burschen, Schulklassen und Jugendeinrichtungen aus ganz Vorarlberg sind zu den landesweiten Workshops und Schnuppertagen eingeladen und können sich dafür online über die Website www.boysday.at anmelden. In Vorarlberg gibt es über das ganze Bundesland verteilt interessante Schnupperstellen, für die noch Plätze frei sind. Die Berufsgruppe Soziales und Erziehung ist mit über 70 Prozent momentan noch ein klar weiblich dominierter Bereich. „Für viele männliche Jugendliche kommen aufgrund gefestigter Rollenklischees bestimmte Berufsmöglichkeiten gar nicht in Frage. Man muss ihnen daher unterschiedliche Wahlmöglichkeiten aufzeigen und sie dabei unterstützen, männeruntypische Berufe in ihr Blickfeld zu bringen. Gerade in den Bereichen Pflege und Erziehung gibt es momentan für Burschen gute Jobchancen“, erklärt Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Mangelware

In Österreich herrscht ein Mangel an männlichen Kindergartenpädagogen: Im Zeitraum 2013/14 waren in Österreich nach Angaben der Statistik Austria insgesamt 52.464 Frauen (98 Prozent) und nur 1056 junge Männer (zwei Prozent) in Kindergärten tätig. Wirft man einen Blick auf die Volksschulen, so liegt hier der männliche Anteil im selben Zeitraum bei acht Prozent (2587 Männer und 30.588 Frauen). Die Arbeit in Alten- oder Pflegeheimen ist ebenfalls für nur wenige Männer (15 Prozent) interessant. Der männliche Anteil an Pflegern in österreichischen Krankenanstalten liegt bei immerhin 16 Prozent. Qualifizierte Arbeitskräfte haben gerade im Pflegebereich gute Karrierechancen; 85 Prozent aller Absolventen von Gesundheitsschulen (Pflegeausbildung) finden innerhalb von drei Monaten einen Job. Auch das Starteinkommen weist oft keinen Unterschied zu Uniabsolventen auf: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt beträgt Euro 1890 bis 2710 brutto pro Monat (www.ams.at/qualifikationsbarometer).

Große Relevanz

Die langfristigen Ziele des Boys’ Day haben eine große gesellschaftliche Relevanz. Es geht darum:

» mehr Männer in frauentypische Berufe zu bringen

» gesellschaftliche Rollenklischees aufzubrechen

» das Image der sozialen Berufe in der Gesellschaft zu verbessern,

» Burschen auf dem Weg ihrer Entwicklung zu positiver männlicher Identität zu unterstützen.

Bezugspersonen

Die Berufs- und Ausbildungswahl fällt meist in eine Entwicklungsphase, wo für Jugendliche die Anerkennung durch das andere Geschlecht wichtig wird. „Sich gegen das Stereotyp zu entscheiden, erfordert ein enormes Selbstbewusstsein und Empowerment durch wichtige Bezugspersonen“, formuliert Roswitha Tschenett in ihrer aktuellen Studie zu Gender-Gaps in der Berufswahl. Leider fehle es oft an „männlichen Bezugspersonen im erzieherischen und sozialen Bereich“. Tschenett leitet seit 2013 die Abteilung „Gender Mainstreaming“ sowie „Gender und Schule“ im BMBF.

Aktionen in Vorarlberg

Überall im Ländle gibt es Veranstaltungen und Aktionen. Am 6. November findet im BIFO Dornbirn wieder eine Kooperation mit dem Titel „Andere Berufe für Jungs“ und am 16. November im BIZ (Berufsinformationszentrum des AMS) in Feldkirch ein Berufsinformationsnachmittag statt. Am 12., 24. und 26. November gibt es noch freie Plätze für solche Nachmittage im BIZ in Bregenz.

Bei all diesen Veranstaltungen werden „Role Models“ aus den Boys’-Day-Berufen ihre Berufe näher vorstellen und von sich erzählen. Dabei können die Besucher auch gleich selber Hand, z. B. beim gegenseitigen Kopfverband, anlegen. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Bregenz und in Feldkirch und die Pädagogische Hochschule in Feldkirch sind dieses Jahr am 12. November als Einrichtungen dabei und freuen sich auf interessierte Teilnehmer. Vor allem für Gruppen, Vereine und Schulklassen bieten sich diese Ausbildungsstätten zum gemeinsamen Besuch in einer Gruppe an.

In der Volksschule Altach gibt es zum Beispiel noch freie Schupperplätze. Die Burschen können nach einer Erstinformation über die Schule und die etwas andere Art des Unterrichtens in jahrgangsgemischte Volksschulklassen gehen. Dort können sie hospitieren und mit einzelnen Kindern auch „arbeiten“ und in den Alltag einer Lehrperson reinschnuppern.

Im Kindergarten in Mellau lernt der Teilnehmer beim Schnupperbesuch den Tagesablauf des Kindergartens kennen. Er darf überall mithelfen und mit den Kindern in Kontakt treten. Somit bekommt er die Möglichkeit in das Tätigkeitsfeldes eines Kindergartenpädagogen hineinzublicken. In ganz Vorarlberg gibt es Volksschulen und Kindergärten, die sich bereit erklärt haben, am Boys’ Day Einblicke in ihren Alltag zu geben.

Auch im Bereich Erziehung gibt es für junge Männer momentan gute Jobchancen.
Auch im Bereich Erziehung gibt es für junge Männer momentan gute Jobchancen.

Informationen

» Das Bundesministerium für Bildung und Frauen hat den Boys’ Day zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt. Der Besuch einer Veranstaltung gilt als Unterricht und die Schülerunfallversicherung ist dabei gültig.

» Interessierte Jungs können sich gleich über die Aktionslandkarte auf der Homepage www.boysday.at anmelden.

» Ansprechpartner in Vorarlberg: „dafür“ Academy & Consulting OG,

6850 Dornbirn, J.-G.-Ulmer-Str. 2, Koordination: Mag. (FH) Sebastian Spiegel, Tel. 0699 13269327, E-Mail: boysdayvorarlberg@gmx.at

Der Boys‘ Day in Vorarlberg

» Diese Kindergärten machen beim Boys’ Day mit: Dornbirn Schwefel, Feldkirch Gisingen Runastraße, Feldkirch Rheinstraße, St. Antonius Kennelbach, Hohenems Markt, Bregenz an der Ach, Kirchdorf Höchst, Kunterbunt Hard, Wiki Weiler, Am Schlatt Lustenau, Hofkindergarten Hohenems, Weiler, Gallmist Feldkirch, Gortipohl, Schlins, Mellau, Eisplatzstraße Hohenems, Egatha Koblach, Dornbirn Hatlerstraße, Damüls, Bludesch, Erlach Hohenems, Neunteln Hohenems, Bludenz, Koblach Gmür, Blasenberg Feldkirch, Thüringen

» Diese Volksschulen bieten beim Boys’ Day ebenfalls noch Schnupperplätze an:

Dornbirn Oberdorf, Lochau, Nüziders, Lustenau Hasenfeld, Dornbirn Schoren, Hard Mittelweiherburg, Dornbirn Winsau, Hörbranz, Dornbirn Haselstauden, Feldkirch Levis, Bregenz Marienberg, Rankweil Markt, Nenzing, Praxisvolksschule Feldkirch, Gurtis Halden, Altach, Gaschurn, Bludenz Mitte, Krumbach, Hohenems Markt, Montessori LernArt Hohenems, Götzis Blattur, Feldkirch Gisingen, Montfort Rankweil, Buch, Schwarzach